Marienberg wieder im Visier

- VON MICHAEL SEEHOLZER Landkreis - Noch vor nicht allzu langer Zeit hieß es: "Der Stadtort Marienberg ist endgültig vom Tisch." Umso mehr nahm die Landkreisbevölkerung jetzt staunend zur Kenntnis, dass die Bayerische Staatsregierung offenbar mit dem Gedanken spielt, doch neue Atomkraftwerke zu bauen. Das berichtete "Die Welt" vergangene Woche. Die Reaktion kam prompt. Die ödp Ebersberg ist "empört über Stoibers Forderung nach neuen Atomreaktoren und befürchtet, dass der Standort Marienberg im Landkreis Rosenheim hierfür wieder ins Gespräch kommt".

"Die CSU hat vor vier Jahren im Landtag unter dem Druck eines ödp-Volksbegehrens fünf Standorte streichen lassen, die für ein neues Atomkraftwerk reserviert waren. Dazu gehörte auch Marienberg im Landkreis Rosenheim. Das war ein Wahlversprechen, das Edmund Stoiber doch jetzt nicht so einfach brechen kann", kritisiert ödp-Kreisvorsitzender Werner Schubert. Innerhalb weniger Wochen habe die ödp damals weit mehr als die erforderlichen 25 000 Zulassungsunterschriften für das Volksbegehren gesammelt. Im Landkreis konnten damals von der ödp-EBE überdurchschnittlich viele Unterschriften mobilisiert werden, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass er im Falle eines Reaktorunfalls fast ganz in der gefährdetsten Zone liegt. Aber auch im benachbarten Österreich regte sich Widerstand. Kufstein liegt nur 29 Kilometer von Marienberg entfernt. Dort kamen innerhalb kürzester Zeit 7100 Unterschriften gegen den Standort zusammen.

"Kurz vor der Einreichung der Unterschriften im Innenministerium lenkte Stoiber ein und kündigte im Landtagswahlkampf 1998 die Streichung der für Atomkraftwerke frei gehaltenen Flächen an", erinnert ödp-Kreisvorsitzender Schubert. "Hoffentlich haben die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden die frei gewordenen Flächen inzwischen anderweitig verplant. Falls nicht, wären sie gut beraten, dies möglichst schnell nachzuholen. Denn schließlich waren diese Standorte auf Eignung für ein AKW bereits geprüft."

Die ödp forderte gestern von der CSU, "jetzt ganz genau zu erklären, wo sie ihr neues Atomkraftwerk haben will. Ich kann mir dann auch eine Wiederholung des Anti-AKW-Volksbegehrens vorstellen", so Schubert. Denn nach den neuesten Ankündigungen der CSU sei damit zu rechnen, "dass Stoiber sein damaliges Wahlversprechen bricht".

Und dann hänge das Damoklesschwert wieder über den ehemaligen, reservierten Atomkraftstandorten Pleinting (Landkreis Passau), Marienberg (Rosenheim), Viereth (Bamberg), Grafenrheinfeld (Schweinfurt) und Pfaffenhofen a.d. Zusam (Dillingen), befürchtet die Landkreis-ödp.

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