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Rennabbruch statt Spitzenplatz

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Von: Nick Scheder

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Profi-Triathlet Markus Hörmann aus Bad Tölz/Greiling
Optimal vorbereitet ging Markus Hörmann auf die Langdistanz in Klagenfurt: Doch er musste wegen Materialproblemen vor dem Ziel beim Marathon aufgeben. © Privat

Gebrochenes Laufrad: Tölzer Profi-Triathlet Markus Hörmann gibt bei Ironman Klagenfurt 21 Kilometer vor dem Ziel auf

Klagenfurt/Greiling – Wer hoch klettert, kann tief fallen. Markus Hörmann hatte beim Ironman Klagenfurt eine optimale Ausgangsposition. Hatte das beste Schwimmen seiner Karriere, stieg nach 3,8 Kilometer und 48:57 Minuten aus dem Wasser des Wörthersees beziehungsweise des Lendkanals, lag in Schlagdistanz zur Spitzengruppe. Und auch auf dem Rad lief es zunächst optimal, er übernahm sogar die Führung, fuhr dann mit einer kleinen Gruppe mit hohem Tempo weiter – bis zu einer Kopfsteinpflasterpassage, nach der es ihn regelrecht ausbremste.

Rennabbruch statt Spitzenplatz

Trotz enormen Aufwands fiel er immer weiter zurück, auf der Laufstrecke gab er nach der Hälfte des Rennens von Krämpfen geschüttelt auf. Wie sich später herausstellte, hatte die Scheibe an seinem hinteren Laufrad durch das Kopfsteinpflaster Schaden genommen. Stabilität und Vortrieb waren dadurch stark reduziert.

„Mega ärgerlich“, sagt der Greilinger Triathlon-Profi. Vor allem, weil ich in dieser Top-Ausgangsposition war und es nicht mein Fehler war, sondern eben das Material.“ 150 der 180 Kilometer auf dem Rad fuhr er mit extra Widerstand, wusste nicht, was ihn ausbremste. „Licht und Schatten liegen eben manchmal eng beisammen.“ Rennabbruch statt möglicherweise Stockerlplatz oder Top-Fünf-Ergebnis, da ist die Enttäuschung natürlich groß, räumt Hörmann ein.

Langdistanz ohne Schmerzen geht nicht

Dass er an die Grenzen gehen muss, um in die Spitzengruppe zu kommen, war ihm schon im Vorfeld klar. „Ein Langdistanz-Rennen ohne Schmerzen im Ziel, gibt es nicht mehr“, sagt der 31-Jährige. „Mittlerweile geht man in einen Ironman wie früher in eine Mitteldistanz“, sagt Hörmann und freut sich, dass er das horrende Tempo selbst im Wasser mitgehen konnte. Es gab eine Zeit, da war Schwimmen nicht seine Lieblingsdisziplin. „Da ist schon eine brutale Entwicklung zu sehen, das macht mich schon stolz.“ Denn diesmal mischte er vorne mit.

In der Wechselzone – ein ein Kilometer langer Abschnitt – gab er Vollgas und übernahm tatsächlich die Führung auf dem Rad. Nach vier Kilometern schloss der Südafrikaner Matt Trautmann auf, zudem der Belgier Wouter Monchy und der spätere Zweitplatzierte Rasmus Svenningsson. Hörmann nahm etwas Druck aus den Pedalen, fuhr anschließend mit Michael Weiß und erreichte mit dem Österreicher die Verpflegungsstelle und den verhängnisvollen Kopfsteinpflasterabschnitt. „Ich hab’ mich gewundert, dass ich ab da nicht mehr vom Fleck gekommen bin, dass mich immer mehr Konkurrenten einholten.“ Seine Leistungswerte stimmten, nur spiegelten sie sich nicht in der Zeit wider. Kein Wunder bei einer gebrochenen Felge. „Aber ich wusste ja nicht, woher es kam.“ Er kontrollierte nach Platten, den Riss im Rad entdeckte er aber erst am nächsten Tag. „Ich bin ja noch froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, dass es mir bei 87 Stundenkilometern in der Abfahrt nicht das Hinterrad zerlegt hat.“

Riss in der Felge: Keine Chance mitzuhalten

Jedenfalls hatte Hörmann mit dem Handicap keine Chance, in dem Weltklassefeld über 1500 Höhenmeter mitzuhalten. Viele mittellange knackige Hügel, teilweise war es richtig steil. Nach 4:33:19 Stunden wechselte der Greilinger in die Laufschuhe – weit weg von der Spitze, aber immer noch in Reichweite der Top-Zehn. Doch nach dem Extra-Aufwand auf dem Rad kam es nicht überraschend: Die ersten 15 Kilometer Laufen waren ganz gut, „aber schon zach“. Dann kamen Krämpfe im Oberschenkel, Hörmann wurde immer langsamer, nach der Hälfte der Strecke blieb er stehen, dehnte, massierte, es half alles nichts. Er stieg aus. „Noch weitere 20 Kilometer wollte ich mich nicht mehr quälen, nur um irgendwie noch ins Ziel zu laufen.“

Sein einziger, wenn auch schwacher Trost für das Streichergebnis: Es war das erste Mal, das ihn das Material ausbremste. „Immerhin bin ich bisher von solchen Problemen verschont geblieben.“

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