Mit dem Mecki ging auch die Gemütlichkeit

- Hans Held zeichnete beliebten Igel

VON ALFRED SCHUBERT Haid - Wer an Comicfiguren denkt, denkt wohl kaum an ihn. Nur noch den Älteren ist der "Mecki", der einst Werbung für Europas auflagenstärkste Illustrierte - die "Hörzu" - machte, ein Begriff. Vor 20 Jahren verstarb Hermann Diehl, der heute als Erfinder des Mecki bekannt ist. Weniger bekannt ist, dass der Igel, der den gemütlichen Deutschen verkörperte, von Hans Held aus Haid gezeichnet wurde, der vor gut 50 Jahren seine Arbeit als Zeichner beim Hamburger Springer-Verlag begann.

In dem großen Kamin knistern behaglich Holzscheite vor sich hin verbreiten wohlige Wärme in der urigen Blockhütte. Wer am niedrigen Couchtisch Platz nimmt, versinkt erst einmal in einem der weichen Sessel. Hier ist es gemütlich. So gemütlich, dass man schon vermuten könnte, dass der Mecki, jener Igel, der in den 50er und 60er Jahren der Inbegriff deutscher Gemütlichkeit war, hier zu Hause war. Tatsächlich lebte und arbeitete hier der Zeichner Hans Held, der das stachelige Maskottchen für den Hamburger Springer-Verlag zu Papier brachte.

Erika Held hat noch einige Plakate, die ihr inzwischen verstorbener Mann gezeichnet hat. Und ein Mecki-Buch, das anlässlich einer Mecki-Ausstellung herausgegeben wurde. Es gibt Auskunft über die Geschichte des Igels, die weit zurück reicht: Im 19. Jahrhundert hat ein Philosoph namens Wilhelm Schröder das Stacheltier in die Literatur eingeführt. Dann schrieb Ludwig Richter die Geschichte vom Hasen und dem Igel. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts drehten die Gebrüder Hermann, Ferdinand und Paul Diehl Puppenfilme, unter anderem auch einen Film über den Wettlauf zwischen Hase und Igel.

Kurz nach dem Krieg verhalf dann Axel Springer dem Igel zu neuem Ruhm. Der Verleger hatte 1946 eine neue Funkzeitschrift aufgelegt und suchte nach einem Maskottchen, das die Leser mit der "Hörzu" identifizieren sollten. Erika Held erinnert sich: "Er hatte eine Karte von dem Igel aus dem Puppenfilm gesehen." Das brachte ihn auf die Idee, den Igel zu nehmen. Dieser wurde personifiziert und erhielt seine Namen - "von einem Springer-Mitarbeiter namens Meklenburg", so Erika Held, "der Mecki genannt wurde". Und Hans Held begann zu zeichnen: Mecki im Liegestuhl im Vorgarten, Mecki am Stammtisch, Mecki auf dem Sofa. Gemütlich musste es sein, die zackige Zeit war vorbei. Es entstanden Plakate, Lampions, Zündholzbriefchen, der Mecki-Hampelmann als Hörzu-Beilage zum Selberbasteln sowie Hunderte anderer Werbeartikel. Der Erfolg stellte sich ein: Die "Hörzu" wurde zur auflagenstärksten Illustrierten in Europa. Und Mecki mit den Ringelsocken wurde zum Inbegriff deutscher Gemütlichkeit. "Er war richtig pantoffelig", so Erika Held. Gerade diese gemütliche Pantoffeligkeit wurde ihm zum Verhängnis. Er war so gemütlich, das er den Sprung über die Grenzen in andere Länder, in denen es keine Gemütlichkeit gab, nicht schaffte.

Mitte der 60er Jahre kam dann auch in Deutschland das Aus. "Es kam die 68er-Generation", so Erika Held, "und die Gesellschaft wurde aggressiver." Kein Platz mehr für Mecki. Die neue Zeit brauchte neue Identifikationsfiguren. Eine geldgierige amerikanische Ente und ihre watschelnde Verwandtschaft verkörperten fortan den Zeitgeist. Heute ist es still geworden um den gemütlichen Igel. "Steiff stellt ihn noch her", weiß Erika Held, "aber nicht mehr in großen Stückzahlen." Und irgendwo soll es sogar noch einen Mecki-Fanclub geben.

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