Meister der Freskomalerei

- Karl Manninger in Pöcking gestorben

VON DORIS HILTL Pöcking - "Das meiste ist Handwerk, nur ein Bruchteil Kunst!" Bescheiden wie es seine Art war, pflegte der Pöckinger Kunstmaler Karl Manninger sein umfangreiches künstlerisches Lebenswerk in diesem Satz zusammenzufassen. Nach längerer Krankheit ist der 90-Jährige am 6. Oktober in seinem Pöckinger Haus gestorben.

Manningers Heimatstadt war Würzburg, dort wurde er am 1. Februar 1912 geboren. Ab 1930 erhielt er seine Ausbildung an der Münchner Staatsschule für angewandte Kunst. In München lernte er auch seine Gattin Cilla kennen, die ihm bis zu ihrem Tode im Jahre 1994 tatkräftig zur Seite stand. Erste Anlaufstation nach der Abschlussprüfung waren ab 1938 die Deutschen Werkstätten in Hellerau bei Dresden, wo der Kunsthandwerker Entwürfe für Wandteppiche, Intarsien, dekorative Malerei, sogar Spielsachen fertigte. Im zweiten Weltkrieg, als Kriegsberichterstatter im Baltikum, malte er in den Freistunden poesievolle Landschaftsaquarelle, die er seiner Gattin im fernen Bayern zum Geschenk machte. 1946 kam Manninger mit seiner Familie in die Staatliche Werkhütte in Tittmoning, eine Art Sammelbecken für hochbegabte Kunsthandwerker, gegründet in weiser Voraussicht auf künftige Wiederaufbauarbeiten.

In Pöcking findet man die Künstlerfamilie ab 1952. Ein malerischer Garten umgibt das Haus an der Feldafinger Straße, dessen Blumenbeete Manninger mit dem ihm eigenen Sinn für Farb- und Formenharmonie bis ins hohe Alter immer wieder neu gestaltet hat. Von unzähligen Stunden künstlerischer Tätigkeit könnte das dem Haus angegliederte Atelier erzählen: Mosaiken für kirchliche und weltliche Einrichtungen, gemalte Kreuzwegstationen für Bayrisch Gmain, Raisting, Penzberg, Mosaik und Kreuzwegstation für Hammerfest in Norwegen und 1961 ein Stationsweg für die St. Pius-Kirche in Pöcking sind Zwischenstationen auf Manningers Weg zur Freskomalerei.

Erstmals hatte der Künstler 1947 in Raisting ein dem barocken Ambiente angepasstes großes Deckenfresko realisiert, in der Folge entwickelte sich der Wahlpöckinger zum Spezialisten für diese althergebrachte aber nahezu vergessene Malweise. Die Wiederherstellung historischer Gebäude nach dem zweiten Weltkrieg erforderte einfühlsame Künstler, die bereit waren, "auf Kosten der eigenen künstlerischen Begabung bedingungslos der Sache, der Aufgabe zu dienen", so umriss Paul Ernst Rattelmüller in seiner Laudatio 1986 das selbstlose Engagement des Künstlers anlässlich der Verleihung Zahlreiche Ehrungen

des Oberbayerischen Kulturpreises an Manninger. Zahllose im Krieg zerstörte Kunstwerke hat der Maler der Nachwelt wiedergeschenkt: 1959 die Deckenfresken von Maria Stern in Augsburg, 1963 bis 1966 die Deckenmalerei von Matthäus Günther in der Stuttgarter Aeneas-Galerie, danach das Deckenbild des Johann Zick im Stiegenhaus von Schloss Bruchsal.

Als ihm 1987 die Medaille "München leuchtet" verliehen wird, kann Manninger auch auf eine verdienstvolle Tätigkeit in der bayerischen Landeshauptstadt zurückblicken: Die Wiederherstellung der Groteskmalerei auf der Kaisertreppe der Residenz, die Deckenfresken und Altarbilder Asams in St. Anna im Lehel sind seine Werke. Auch die Ölbilder in der Asamkirche, die Deckenfresken Asams in der Heiliggeistkirche, die Wandfresken und das Kuppelfresko von Johann Baptist Zimmermann in St. Peter und das Deckenbild von Amigoni in der Badenburg haben wir dem Pöckinger Künstler zu verdanken. Und das Erstaunliche ist, unterstrich Rattelmüller in seiner Laudatio, "dass eben alle diese Arbeiten sichtlich nicht die Handschrift Manningers, sondern zunächst und vor allem des Malers tragen, der Vorbild ist".

Seiner eigenen Bildsprache ein wenig Raum verschaffen konnte der routinierte Freskant in neuen Schweizer Kirchenbauten. Und nur allzu gern nahm der passionierte Bergsteiger die Möglichkeit wahr, an freien Tagen die geliebte Schweizer Bergwelt zu erkunden.Der Freistaat Bayern würdigte das umfangreiche Aufbauwerk des Künstlers 1979 mit der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. Als späte, hochverdiente Ehrung der katholischen Kirche überreichte Friedrich Kardinal Wetter 1997 dem verdienstvollen Kirchenmaler und gläubigen Katholiken in einer Feierstunde im Münchner Erzbischöflichen Palais die päpstliche Ernennungsurkunde zum Ritter des St. Silvesterordens.

Um den Vater und Großvater trauern der Sohn und zwei Enkel - um den liebenswerten Menschen zahlreiche Freunde, um den Künstler viele Bewunderer seines umfangreichen Oeuvres in Kirchen und profanen Gebäuden. Vergelt`s Gott, Karl Manninger!

Gottesdienst in St. Pius Pöcking ist am Mittwoch, 16. Oktober, 10 Uhr, anschließend findet Beisetzung auf dem Pöckinger Friedhof statt.

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