Mit Millionen auf der Flucht in die Karibik

- VON RALF HEUSSINGER München/Karlsfeld - Es ist der Traum vom großen Geld, vom "Dolce Vita" in der Karibik etwa. Auch die beiden Millionendiebe Ingo Spitz und Matthias Schmidt dürften diesen Traum geträumt haben. Mittlerweile ist er bei beiden geplatzt. Sie wurden gefasst von den Ermittlern der Kripo Fürstenfeldbruck und des Landeskriminalamts.

Zwei Fälle von besonders schwerem Diebstahl innerhalb weniger Wochen in der selben Region. Beide Männer setzten sich nach Südosteuropa ab. "Der eine wollte den anderen übertrumpfen", sagt ein Polizeisprecher. Spitz hatte sich mit sieben Millionen Euro aus dem Tresor einer Sicherheitsfirma in Fürstenfeldbruck nach Kroatien abgesetzt und sitzt mittlerweile in Bayern in Untersuchungshaft. Schmidt war knapp sieben Wochen auf der Flucht und schaffte es mit seiner Beute von 2,1 Millionen Euro, gestohlen aus dem Tresor einer Sicherheitsfirma in Karlsfeld (Kreis Dachau), bis nach Rumänien.

Tatsächlich sind die Aufklärungsquoten bei schwerem Diebstahl nicht gerade glänzend. 21,6 Prozent der Fälle wurden im Jahr 2004 von der Polizei gelöst, gibt die Kriminalstatistik für Bayern aus. Unterboten wird diese Zahl nur noch von Sachbeschädigung an Autos und Taschendiebstahl. Insgesamt werden in Bayern rund 65 Prozent der Straftaten aufgeklärt.

Fälle in der Größenordnung Spitz oder Schmidt mit Potenzial zur Verfilmung sind allerdings eher die Ausnahme. Einige bekannte Raubzüge oder Betrugsfälle gibt es dennoch. Skurril etwa der Postraub vom Oktober 1994: Am Münchner Hauptbahnhof überfiel ein damals 51-jähriger Mann einen Postwaggon. 750 000 Mark in drei Leinensäcken schleppt er davon, den Postbeamten, der den Zug begleitet hatte, lässt er gefesselt zurück. Fünfeinhalb Jahre dauert es, bis die Polizei den Fall aufklären kann. Es stellt sich heraus, dass der Überfall fingiert war. Postbeamter und Posträuber steckten unter einer Decke und teilten die Beute nachher unter sich auf. Der Dieb hatte sich mit seinem Anteil in die Tschechische Republik abgesetzt und das Geld dort durchgebracht. Ihm wurde im Jahr 2000 der Prozess gemacht, sein Kompagnon stand wegen Verhandlungsunfähigkeit - er war nach einem Unfall querschnittsgelähmt - nicht vor Gericht.

Eine Flucht im Rollstuhl gelang dagegen dem mutmaßlichen Millionenbetrüger Josef Müller aus Fürstenfeldbruck. Unter anderem wegen Kreditbetrugs und Untreue sollte er eine Haftstrafe absitzen. Im Gefängnis fand man jedoch zunächst keinen geeigneten Platz für den Querschnittsgelähmten. Dies nutzte er für weitere Betrügereien, rund drei Millionen Euro soll er von Anlegern abgezweigt haben. Als im Herbst 2004 doch ein Platz im Gefängnis frei wurde, tauchte Müller unter. Über Miami, Jamaika, England bis nach Wien verfolgten die Ermittler seine Spur. Im April 2005 wurde er schließlich festgenommen und trat seine Haftstrafe in Stadelheim an.

Mit Banküberfällen wollte sich der als "Besenstielräuber" bekannt gewordene Harald Zirngibl seinen gehobenen Lebenstandart finanzieren. Zwischen 1992 und 1998 überfiel er 18 Banken im Großraum München und erbeutete 5,4 Millionen Mark. 1998 wurde er beim Ausspähen einer Bank in Percha (Kreis Starnberg) geschnappt.

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