Mittenwalder als Erste auf dem Gipfel

- Mittenwald - Sie haben sich einen Traum erfüllt: Die persönlichen Grenzen zu überschreiten und Sieger über Gehirn und Körper zu bleiben. Das Mittenwalder Ehepaar Alexandra (30) und Matthias (36) Robl stand gemeinsam auf dem bis dato unbezwungenen Shimshal White Horn in Pakistan. Im Nonstop-Durchgang bestiegen die Krankenschwester und der Heeresbergführer an der Edelweißkaserne mit Dr. Markus Tannheimer den 6304 Meter hohen Gipfel.

Der Oberstabsarzt leitete die Forschungsexpedition der Bundeswehr, die neue Erkenntnisse in der Höhenmedizin bringen sollte. "Wir trugen Mützen mit Sensoren zur EEG-Messung", sagt der als Eiszapfenkletterer bekannten Extrembergsteiger Robl. Entdeckt hatte Tannheimer den jungfräulichen Gipfel 2004, als er mit einer Expedition 600 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad unterwegs war. "Die Erstbesteigungs-Route haben wir dann vom Höhenlager aus mit dem Fernglas erkundet." Um das Vorhaben zu bewältigen, seien Intuition und Erfahrung, aber auch Können beim Klettern erforderlich gewesen.

Beschwerlich war schon die Anreise. Der Flug ging über Doha nach Islamabad. Von dort führte die Reise drei Tage lang per Bus über den Karakorum-Highway ins Shimshal-Tal. Zur Akklimatisierung benötigte das

"Die Angst lag wie ein Gespenst über uns"

Matthias Robl

Team zwei Wochen. Dann unternahm die Mannschaft drei Erstbesteigungen zu Übungszwecken. Sie bezwang den Sunrise Peak (5661 Meter) sowie den Ost- und Westgipfel des "Chu Kurtha Dust" (5366/5685).

Das Ziel "Shimshal White Horn" nahm die Expedition nach einem Wettereinbruch in Angriff. Über den Basisstützpunkt in 4400 Metern Höhe ging es zum Hochlager (5200). "Hier erfuhren wir, dass drei Briten wegen Schneefalls beim Gipfelsturm gescheitert waren", erzählt der Mittenwalder. Tags darauf um ein Uhr nachts wagte das Trio den Aufstieg. "Wir hatten durch unser Satelliten-Telefon Kontakt mit dem Wetterdienst der Bundeswehr in Kabul." Eine Sorge begleitete das Team die ganze Tour: Durch einen Wärmeeinbruch von einem Eisschlag getroffen zu werden. "Die Angst lag wie ein Gespenst über uns."

Trotzdem hatte es in den frühen Morgenstunden eine 750 Meter hohe und bis zu 80 Grad steile Wand seilfrei durchstiegen. Um 9.30 Uhr war es soweit: Das Trio hatte den Gipfel erreicht, einen Ort, an dem vor ihnen noch kein Mensch den Fuß gesetzt hatte. "Diese Tatsache zusammen mit dem grandiosen Ausblick mussten wir einfach genießen."

Doch der beschwerliche Rückweg lag noch vor ihnen. Unterhalb des Gipfels mussten die Bergsteiger in 5700 Meter Höhe pausieren. "Wir haben gewartet, bis die Wand im Schatten lag", beschreibt Robl, dass die Stelle durch Kälte zunehmend sicherer wurde. Gegen Abend erreichten sie ohne weitere Zwischenfälle das Basislager. "Nonstop im Alpinstil", beschreibt Robl den Kraftakt mit den zehn Kilogramm schweren Rucksäcken.

Bereits am nächsten Tag ging es nach Shimshal und Islamabad zurück. Dort titelte die pakistanische Tageszeitung "Dawn" in großen Lettern "Deutsche besteigen als Erste das White Horn". Auch das Fernsehen widmete dem Mittenwalder Kletter-Ehepaar einen Beitrag. In der Hauptstadt erhielten sie Erstbesteigungs-Urkunden vom Präsidenten des pakistanischen Alpinclubs Nazir Sabir. Schon 2004 stand das Paar zusammen auf dem Gipfel des Cho Oyu (8201) -sie hatten ihn ohne künstlichen Sauerstoff bezwungen. "Unser großes Ziel ist es jetzt, gemeinsam den Nanga Parbat (8125) zu bezwingen", verrät der Heeresbergführer. Der Traum für das Ehepaar geht weiter.

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