Mord-Angeklagter bald frei?

- Fall "Porsche-Lady": Urteil wahrscheinlich nur wegen Beihilfe

VON WIBKE BALTES Garching - Im Mordprozess gegen den Kellner Ivica G. zeichnet sich eine überraschende Wende ab. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist der Mordvorwurf nur noch schwer aufrechtzuerhalten. Als wahrscheinlich gilt hingegen eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord an der Ex-Prostituierten Brigitte M. Sollte es dazu kommen, könnte G., der seit viereinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt, schon bald ein freier Mann sein.

Seit gestern wird vor dem Landgericht München I der Fall "Porsche-Lady" zum dritten Mal verhandelt. G. soll am 7. November 1997 die 35-jährige Brigitte M. in ihrer Wohnung in Garching (Kreis München) mit zahlreichen Messerstichen regelrecht hingerichtet haben, um an 1500 Euro aus einem Computerverkauf sowie den pinkfarbenen Porsche der Frau zu kommen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte die beiden ersten Urteile wegen "Mängeln in der Beweisführung" aufgehoben und an das Münchner Gericht zurückverwiesen (wir berichteten).

Insbesondere das zweite BGH-Urteil vom Oktober 2001 lässt den Münchner Richtern nicht viel Spielraum bei der erneuten Bewertung der vorhandenen Indizien. So lange die Rolle des unbekannten Komplizen, von dem die Staatsanwaltschaft ausgeht, nicht geklärt ist, müsse das Gericht von der für den Angeklagten günstigsten Version ausgehen. Das heißt: Möglicherweise führte ein anderer die tödlichen Stiche, und Ivica G. war nur sein Helfer. Gestützt wird diese Version dadurch, dass auf dem Tatmesser nur Fingerabdrücke des Unbekannten gefunden wurden.

"Ich halte eine Verurteilung wegen Mordes für unwahrscheinlich", musste denn auch Staatsanwalt Wolfgang Beckstein einräumen. "Realistisch ist ein Urteil wegen Beihilfe." Der Strafrahmen reicht hier von drei bis 15 Jahren Haft, als wahrscheinlich gilt eine Strafe mittlerer Größenordnung. Sollte das Gericht dem folgen und - bei Anrechnung der U-Haft - die Reststrafe zur Bewährung aussetzen, wäre Ivica G. schon bald wieder auf freiem Fuß.

G.s Verteidiger Sewarion Kirkitadse und Klaus Gussmann wollen erneut auf Freispruch plädieren. Aus Sicht der Anwälte hat die Polizei zu viele Spuren vernachlässigt. So fühlte sich Brigitte M. beispielsweise nach Aussage ihrer Familie kurz vor ihrem Tod von der bosnischen Mafia bedroht, zu der ihr wegen Drogengeschäften inhaftierter Ehemann Kontakte hatte. Der Prozess dauert an.

Auch interessant

Kommentare