Mordprozesse mit Hindernissen

- Tatverdächtiger seit vier Jahren in Untersuchungshaft

Garching (ds/cm) - Seit vier Jahren sitzt der Kroate Ivica G. in Untersuchungshaft. Er soll eine 35-jährige Kellnerin in Garching (Kreis München) erstochen haben. Das Verfahren um den "Mord an der Porsche-Lady" entwickelt sich immer mehr zu einem Justizskandal. Zweimal hat der Bundesgerichtshof Urteile des Landgerichts München zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen mangelnder Beweisführung zurückverwiesen. Jetzt wartet der Kroate auf das dritte Verfahren. Ein Vorfall in der vergangenen Woche fügte der unendlichen Geschichte ein neues Kapitel zu.

Der Anwalt des Verdächtigen hatte eine Haftprüfung für seinen Mandanten beantragt. Beim Haftprüfungstermin entschied die 11. Strafkammer des Landgerichts München I zugunsten des Kellners. Der Haftbefehl wurde außer Kraft gesetzt, Ivica G. konnte das Gericht als freier Mann verlassen. Sein "Ausflug" in die Freiheit war aber nur von kurzer Dauer. Denn nur einige Stunden nach der Entscheidung hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht gab dem statt und setzte den Haftbefehl wieder in Kraft.

In der Zwischenzeit hatte der Kroate Freunde besucht und Vorkehrungen getroffen, um in seine Heimat zu fahren. Wie es heißt, soll sich der 34-Jährige Pass und Papiere beim Kreisverwaltungsreferat besorgt haben. Am nächsten Morgen wollte sich der Mordverdächtige noch von seinem Anwalt Sewarion Kirkitadse verabschieden - da wurde er vor der Kanzlei von Polizeibeamten festgenommen. Jetzt wartet Ivica G. in Stadelheim auf seinen dritten Prozess. "Mein Mandant ist sich sicher, dass er freigesprochen wird", sagt der Anwalt, den die bisherigen Umstände des Verfahrens mehr als verwundern: "Das hat es in der Nachkriegsgeschichte der Justiz noch nicht gegeben."

Im November 1997 war die ehemalige Prostituierte Brigitte M. erstochen in ihrer Wohnung gefunden worden. "Porsche-Lady" wurde sie wegen ihres pinkfarbenen Sportwagens genannt. Im Juli 1999 überführten Fingerabdrücke auf einer Wasserflasche und Hautpartikel unter den Fingernägeln der Toten angeblich den kroatischen Kellner. Der Verdächtige behauptet nach wie vor, am Vorabend des 6. November zu einem Schäferstündchen bei der Garchingerin gewesen zu sein und am nächsten Tag vor verschlossener Tür gestanden zu haben.

Bis zur nächsten Verhandlung, die vermutlich im März 2003 beginnen wird, hofft die Staatsanwaltschaft offenbar, einen wesentlichen Zeugen im Mordfall Brigitte M. zu ermitteln. Vielleicht können dann die Gerichtsakten zu dem Mord an der "Porsche-Lady" endlich geschlossen werden.

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