Murnau der große Gewinner

- VON SILKE JANDRETZKI Murnau - Die langen, zähen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensspitze von "Geiger-Technik" brachten einen klaren Gewinner hervor: den Standort Murnau-Neuegling. "Er profitiert auf jeden Fall", erklärt Geschäftsführer Dr. Albert M. Geiger. Das Unternehmen mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen will bis 2010 zehn Millionen Euro auf seinem Gelände in Neuegling investieren. Zudem garantierte die Geschäftsführung nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Nebl in einem Interessenausgleich, dass der Standort Murnau mindestens bis 2014 erhalten bleibe. Bis 2012 seien bei Verlagerungen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter in Neuegling steige in den nächsten Jahren an.<BR>

Murnau wird zum "Kompetenzzentrum" für die Fertigungstechnologien Spritzgießen und Schweißen ausgebaut (wir berichteten). Noch in diesem Jahr zieht die Technologieentwicklung mit 20 Arbeitsplätzen - hauptsächlich Techniker und Ingenieure - von Garmisch-Partenkirchen nach Murnau, bis 2007 auch die Fertigung von Sensoren. In Neuegling konzentrierte sich "Geiger-Technik" bislang zu 100 Prozent auf seine Rolle als Automobilzulieferer. Um von der Branche nicht mehr "völlig abhängig" zu sein, sagt Nebl, stelle das Unternehmen künftig "neue Produktgruppen in Murnau" her. Es liege bereits ein erster Auftrag aus einer anderen Sparte vor.<P>Zahl der Mitarbeiter<P>in Neuegling steigt<P> Gestorben sind die Pläne, die hiesige Logistik (Transport, Lager) auszugliedern. Die Zahl der Mitarbeiter - momentan beschäftigt "Geiger" in Neuegling mit Auszubildenden 220 Männer und Frauen - soll in den nächsten eineinhalb Jahren auf rund 250 ansteigen; 35 werden von Garmisch-Partenkirchen nach Murnau umziehen. Und: Falls die Verwaltung aus Garmisch-Partenkirchen verlagert wird, "dann nur nach Murnau und nicht nach Thüringen", erklärt Nebl. Ob es dazu komme, hänge stark von der weiteren Verwendung des bisherigen Gebäudes in der Breitenau ab. Wie berichtet, bleibt der Standort Garmisch-Partenkirchen, wo inklusive Lehrlinge derzeit 320 Menschen beschäftigt sind, bis mindestens Ende 2009 erhalten. Insgesamt streicht "Geiger" 130 Stellen, davon zehn Heimarbeitsplätze. "Wir hoffen, dass wir durch die lange Zeitschiene Möglichkeiten wie die natürliche Fluktuation und Eigenkündigungen nutzen können", sagt Nebl. Dr. Albert Geiger nennt das Ergebnis der Verhandlungen "gut", Nebl spricht von einem "Super-Abschluss". Für ihn zählt vor allem auch, dass der Standort in Garmisch-Partenkirchen "nicht so schnell geschlossen wird" und jener in Murnau längerfristig erhalten bleibt.<P>Diesem kommen die Umstrukturierungen zugute - er soll "fit und gesichert werden für die Zukunft", sagt Nebl. Das Unternehmen will seine Kosten senken; Murnau machte bei diesem Streben nach Konzentration das Rennen, weil der Standort zahlreiche Vorteile bietet - die geografische Lage etwa. "Als Unternehmen profitieren wir von einer gewissen Nähe zu München", sagt Geiger. Zudem biete Murnau "mehr Erleichterung<P>in der Belegschaft<P> Spielraum als Garmisch-Partenkirchen". "Geiger-Technik", das in Neuegling das gesamte Gelände des nach Peiting abgewanderten Unternehmens "Schotten und Hansen" langfristig pachtete, verfüge dort über eine Betriebsfläche von rund 16 000 Quadratmetern. Die Groß-Investitionen fließen nach Angaben Nebls vor allem in Gebäude, Anlagen und Maschinen. Auch das Ausbildungszentrum wird vergrößert.<P>Die Mitarbeiter vernahmen die Pläne bei zwei Betriebsversammlungen am Montagnachmittag. Mittlerweile wandelte sich das Klima in der Belegschaft, die lange Zeit völlig verunsichert reagierte angesichts ihrer offenen Zukunft: "Die Stimmung", erklärt Nebl, "ist inzwischen total aufgelockert."<P>

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