Nachfolger für Zimmermann stehen Schlange

- Sechs Aspiranten im Gespräch

VON MATTHIAS KRISTLBAUER Das Gerangel um die Nachfolge des CSU-Landtagsabgeordneten Thomas Zimmermann hat begonnen. Nachdem Stadtrat Hans Wolfswinkler angekündigt hat, bei der Landtagsnominierung gegen den in eine Spendenaffäre verwickelten Zimmermann zu kandidieren, wird die Liste der potenziellen Kandidaten immer länger. Mindestens fünf weitere CSU-Politiker sind mittlerweile im Gespräch, die Zimmermann ablösen wollen - darunter auch Rupert Kiesl, Sohn von Alt-OB Erich Kiesl.

Richtig glücklich ist keiner der Aspiranten, schon jetzt in der Zeitung zu stehen. Denn schon oft hat sich die Wahlkampf-Weisheit bewahrheitet: "Wer zu früh kommt, wird verbrannt." Das Mitteilungsbedürfnis der Parteifreunde aber ist - vielleicht gerade deshalb - besonders groß.

Auch Kiesl, seit zwölf Jahren Ortsvorsitzender in Denning/Daglfing, ist nicht gerade froh über die Personaldebatte. Er werde "kein Gegenkandidat von Zimmermann sein", beteuert er. Gegen Wolfswinkler anzutreten, könne er sich aber vorstellen. Dessen Chancen werden als eher schlecht eingestuft. Denn Wolfswinkler ist Chef des Ortsverbands Berg am Laim. Aus diesem kommen schon ein Bundestagsabgeordneter, ein Bezirksrat und zwei Stadträte. Wolfswinkler als Landtagsabgeordneten würden die Parteifreunde aus Bogenhausen wohl nicht durchgehen lassen, heißt es.

Das größere Problem für Kiesl und die anderen Kandidaten ist jedoch Zimmermann. Weil er die Spendenvorwürfe als ausgeräumt sieht, beharrt er darauf, wieder für den Landtag zu kandidieren. Die Unterstützung der Parteibasis war ihm bisher sicher. "Die Frage der Nachfolge stellt sich nicht", sagt Ulrich Konstantin Rieger, stellvertretender Ortsvorsitzender in Bogenhausen. Er wird ebenfalls als Kandidat gehandelt. Erst müsse geklärt werden, wie Zimmermann mit der Sache umgehe, meint Rieger. Soll heißen: ob er doch noch zurücktritt. Auch Stadtrat Mario Schmidbauer, Ortsvorsitzender in Haidhausen, dementiert heftig, dass er kandidieren wolle. "Ich bin gerne Stadtrat", versichert er und fügt hinzu, dass sich Zimmermann "nicht zurückgezogen" habe.

Recht gesprächig ist derzeit keiner der Aspiranten. "Kein Kommentar", meint die Bogenhauser Kreisvorsitzende der Frauenunion, Cathrin Kaiser. Allerdings räumt sie ein, dass es Leute gebe, die es "ganz gerne sehen würden", wenn sie sich um die Landtagskandidatur bemühen würde. Stadtrat Robert Brannekämper, Ortsvorsitzender in Oberföhring, meinte, eine Kandidatur zu dieser Zeit diene nicht der Klärung des Falls.

Auf Hilfe aus der CSU-Spitze brauchen die potenziellen Zimmermann-Nachfolger jedenfalls nicht zählen. Zwar hat es beim Vorsitzenden Edmund Stoiber und Generalsekretär Thomas Goppel "ausgezimmermannt", wie ein Insider versichert. Deren Möglichkeiten, eine Nominierung Zimmermanns zu verhindern, sind aber gering. Sollte die Parteispitze Einspruch einlegen, wird nach einem Anhörungsverfahren die Wahl wiederholt. Und die wäre in jedem Fall gültig.

Einige CSU-Mitglieder glauben, dass es Zimmermann so gelingen könnte, doch noch in den Landtag einzuziehen. Die Basis der Partei lasse sich jedenfalls nicht vorschreiben, wen sie aufzustellen habe, betont ein CSU-Mitglied.

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