Nachspiel im Schottdorf-Prozess

- München - Als Bernd Schottdorf das Augsburger Landgericht in den Mittagsstunden des 23. Oktober 2000 verließ, lag der Hauch eines Lächelns auf seinem Gesicht: Zwei Jahre lang galt der Augsburger Laborarzt als Vorzeigefall für Betrug im Gesundheitswesen - ehe er mit einem spektakulären Freispruch zum Sieger erklärt wurde.

Sechs Jahre später erscheint der Freispruch von einst plötzlich in einem neuen Licht: Am Dienstag wurde Bernd Schottdorf vorübergehend festgenommen, weil er Uwe Huchel, damals Staatsanwalt in Augsburg, just in jenem Jahr einen Privatkredit von 160 000 Mark gegeben haben soll. Huchel und sein Anwalt sitzen wegen Korruptionsverdachts in Haft, Schottdorf wurde auf freien Fuß gesetzt.

Im Prozess gegen Schottdorf ging es um massiven Abrechnungsbetrug: Ihm war vorgeworfen worden, aus dem Topf der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) rund 16 Millionen Mark zu viel bezogen zu haben. Dazu habe er von 1993 bis 1995 in seinem Großlabor vier Ärzte nur zum Schein beschäftigt, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die dafür zwei Jahre auf Bewährung und eine Geldbuße von 600 000 Mark forderte.

Das Gericht aber sah keine ausreichenden Beweise dafür, dass die Ärzte nicht für Schottdorf gearbeitet hätten - und rügte stattdessen die KVB wegen mangelnder Kontrollen. Kein Wunder, dass man bei der KVB heute die jüngsten Entwicklungen "mit großem Interesse" beobachtet.

Gegen den ehrgeizigen Uwe Huchel (45), den die "Augsburger Allgemeine" als "eine Art James Bond unter den Augsburger Staatsanwälten" bezeichnet, wird bereits seit dem Frühjahr ermittelt. Er soll in einem anderen Verfahren 165 000 Euro an Bußgeldern in die eigene Tasche abgezweigt haben. Im Rahmen der Ermittlungen fiel den Fahndern offenbar auch die Verbindung zu Schottdorf auf. Doch ein wesentlicher Punkt bleibt bislang ungeklärt: Huchel selbst war nicht mit den Schottdorf-Ermittlungen befasst.

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