Der Natur viel abgeschaut

- Bio-Landwirt Winhart hat Rückschläge überwunden

Glonn - In einer Zeit der immer großräumigeren Agrarstrukturen und expandierenden landwirtschaftlichen Nutzflächen, geht der Bauer Ludwig Winhart im Glonner Gemeindeteil Ursprung einen anderen Weg: Er will mit relativ kleiner Anbaufläche und einfachem Gerät im Sektor Gemüseanbau auf biologischer Basis Fuß fassen. Mittlerweile sind es an die 20 verschiedenen Feldfrüchte, die naturbelassen direkt vermarktet bzw. ab Hof verkauft werden.

Wir besuchten den Winhart-Hof und nahmen die erst teilweise abgeernteten Felder in unmittelbarer Nähe in Augenschein. Ohne Handelsdünger und Spritzmittel und selbst unter Verzicht auf organische Naturdünger ist Winhart mit der Ernte zufrieden, die heuer auch den niederschlagsarmen Sommer bestens verkraftet hat.

Der Bauer mit der von vielen seiner Kollegen skeptisch beurteilten Methode, darf sich zu den Pionieren des biologischen Weges rechnen, den er vor gut 20 Jahren mehr oder weniger im Alleingang beschritten hatte. Im Rahmen eines Fortbildungskurses im Jahr 1980 sei es ein Vortrag über biologischen Anbau gewesen, der ihn begeistert habe und in gewissem Sinne zum Schlüsselerlebnis geworden sei. Der Leitgedanke war, wie er betont, seine landwirtschaftliche Existenz auf sichere Beine zu stellen.

Zum Hof gehören einschließlich Wald an die 60 Hektar. Ein Fünftel davon, sprich zwölf Hektar, sind für den biologischen Anbau vorgesehen. Zu den sprichwörtlichen "Kraut und Rüben", zählen auch so edle Gewächse wie Fenchel und Pastinake.

Doch was so unkompliziert klingt: "Natürlicher Anbau ohne die chemische Keule", war ein langer, von Fehlern und Rückschlägen begleiteter Weg. Freimütig bekennt Winhart: "Ich hab` anfangs einfach alles falsch gemacht". Andere hörten an diesem Punkt einfach auf. Heute hat er gewissermaßen ein geschärftes Ohr für die Stimme der Natur. Der konventionelle Maschinenpark wurde nicht mehr eingesetzt. Dafür aber ein selbst konstruierter Kultivator, der die Erde nicht mehr auf herkömmliche Weise umbricht, sondern "ritzt". Auch die Sämaschine wurde entbehrlich und durch einen Streumechanismus ersetzt. An die Stelle der Ackerfurchen sind erhöhte Beete getreten und der Abstand der Saatreihen wurde vergrößert. Bei Getreide wird ausschließlich Dinkel mit Kleegras als Untersaat ausgebracht, das später als Mulche dient.

Keinen Hehl macht der Biobauer daraus, dass die Vermarktung seiner Produkte, mit denen er neuerdings auch auf dem Ebersberger Bauernmarkt Fuß gefasst hat, nicht immer einfach ist. Dennoch wachse allmählich ein Kundenstamm heran, der bereit ist, den zwangsläufig höheren Preis für Bio-Produkte zu bezahlen.Werner Hubert

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