Ude hat noch WM-Tickets übrig

- Im Münchner Stadtrat dürfte es als Geste der Bescheidenheit durchgehen, der Fußball-Fan könnte trotzdem neidisch werden. Im Schnitt 7,7 Karten haben die Mandatsträger und berufsmäßigen Stadträte je Kopf für die sechs Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in der Allianz-Arena geordert. Dabei wäre die Stadt weit großzügiger gewesen: Bis zu 15 Karten hatte sie ihren Räten zum Kauf angeboten - und damit eine hitzige Debatte vor allem unter Fußball-Fans entfacht.<BR>

Rund 700 Karten haben laut Stadt die 80 ehrenamtlichen und elf berufsmäßigen Stadträte insgesamt bestellt. 1200 der Tickets verschiedener Preiskategorien waren allein für die bezahlten Ehrenamtler reserviert.<P>Doch ganz so großzügig wie die Stadt mit ihren Räten war, waren einige von ihnen mit sich selbst offenbar nicht. "Zu teuer", heißt es etwa. Oder: "250 Euro pro Spiel ist ein Wahnsinn. Mehr als zwei Karten sind nicht drin." Was aber auch bedeutet, dass einige der Münchner Stadträte wohl mehr als zehn Tickets bestellt haben. Andere WM-Städte waren da meist weniger generös, auch wenn Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) beteuerte, einige von ihnen hätten die Tickets sogar verschenkt. Eine genaue Dokumentation der Übeltäter sollte folgen. Jetzt heißt es aus dem Presseamt der Stadt, dass es damit wohl nichts mehr werde. Zumindest "aktuell ist da nichts in Planung".<P>Fakt ist, dass die Stadt nun ein Problem hat: An wen sie die restlichen 1100 von insgesamt 1800 Karten abgibt. Dies sei noch völlig offen und werde demnächst entschieden, sagt Presseamtschef Stefan Hauf.<P>Andere Spielorte, etwa Köln oder Dortmund, haben sich längst dazu durchgerungen, ehrenamtlichen Helfern einen Gutteil der Tickets zu offerieren. Bis vor kurzem konnte sich OB Ude das nicht vorstellen. Er sagte: Den freiwilligen Helfer, der sich für 400 Euro eine Karte zum Eröffnungsspiel kaufen könne, den müsse man ihm noch zeigen.<P>Matthias Kristlbauer<P>

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