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Ohlstädter Bobfans wollen die Begeisterung für ihren Sport weitertragen - Erstes Projekt eines neuen Vereins: ein Dokumentarfilm

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Von: Katharina Brumbauer

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Und Action: Florian Bauer (l.) bei den Dreharbeiten mit Benedikt Schmid im Bobmuseum am Riessersee.
Und Action: Florian Bauer (l.) bei den Dreharbeiten mit Benedikt Schmid im Bobmuseum am Riessersee. © Bernhard Schmid

Der Ohlstädter Christian Binder und weitere Anhänger des Bobsports in der Gemeinde unterhalb des Heimgartens gründen den Verein „Olympia Bobsport Stiftung Ohlstadt“. Gemeinsam mit dem Farchanter Bernhard Schmid hat Binder die Bob-Tradition seines Ortes in einem 45-minütigen Film festgehalten.

Ohlstadt – Wer nach Ohlstadt hineinfährt, sah lange Zeit ein Holzschild: „Willkommen im Bobdorf“ stand darauf zu lesen. Die Tafel, die auf den Olympiasieg von Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider 1972 und viele weitere Erfolge von Ohlstädtern im Eiskanal hinweist, gibt es zwar noch. Am Straßenrand an der Ortseinfahrt steht sie allerdings nicht mehr. Wer den Ram hinaufspaziert, dem zeigen Spuren auf der Wiese noch, wo zwischen 1952 und 1970 Kurven einer Bobbahn verliefen. „Das ist das Einzige, wo die Bobtradition im Dorf noch sichtbar ist“, erklärt Christian Binder. Der Ohlstädter will das ändern: Gemeinsam mit weiteren Bobfans wird er am 29. Juni den Verein „Olympia Bobsport Stiftung Ohlstadt“ gründen.

Eine Interessengemeinschaft soll dieser sein, in der ehemalige und aktuelle Bobaktive sowie deren Anhänger die Begeisterung, die in der Gemeinde unterhalb des Heimgartens für ihren Sport herrschte und noch heute vorhanden ist, an eine neue, junge Generation weitergeben können. Mit demselben Ziel hat der Farchanter Filmemacher Bernhard Schmid die 45-minütige Dokumentation „Auf Olympischen Spuren im Bobdorf Ohlstadt“ gedreht. Ein Langfilm: für Schmid Neuland. „Bis jetzt habe ich nur zehn- oder fünfzehnminütige gemacht“, erklärt er. Auch sein neuester Streifen sollte erst nicht länger als eine Viertelstunde werden. „Aber beim Sichten des Materials haben wir mehr und mehr gemerkt: Das wird etwas Größeres.“

Sichten das Resultat: Christian Binder (l.) und Filmemacher Bernhard Schmid.
Sichten das Resultat: Christian Binder (l.) und Filmemacher Bernhard Schmid © PETER KORNATZ

Drei Jahre sind vom ersten Dreh bis zum fertigen Schnitt im Studio von Cutter Michael Augustin vergangen. Sechs Terrabyte Videomaterial hat Schmid zusammengetragen. Über dem Ram, wo einst die Bobbahn verlief, hat er mit Sohn Benedikt aufwendige Drohnen-Aufnahmen gemacht. Hartnäckig hat er versucht, Archivbilder etwa von den Fahrten von Franz Schelle zu bekommen. 1952 holte der mit der Bayerischen Meisterschaft den ersten Bob-Titel nach Ohlstadt, 1962 wurde er Weltmeister im Vierer. Die historischen Filme zu erhalten, war allein rechtlich schwierig. Drehs im Bobmuseum am Rießersee oder an der Bahn in Königssee mussten erst genehmigt, viele Protagonisten ins Boot geholt werden. „Die waren sofort mit Feuereifer dabei“, sagt Binder.

Roland Eberhart, der einzige noch lebende Teamkollege von Toni Pensberger, berichtete den Tränen nahe über ihre Fahrt bei der Weltmeisterschaft 1966 in Cortina d’Ampezzo, wo Pensberger im Viererbob verunglückt war. Daraufhin herrschte in ganz Ohlstadt Trauer und die Befürchtung, dass es das mit dem Bobsport war. Umso erstaunlicher dann der Pragmatismus, den Utzschneider in seinen Äußerungen im Film an den Tag legt: „Dass wir Angst hatten, hat es bei uns nicht gegeben.“ Oder: „Wir wollten allen zeigen, dass wir die Schnellsten sind.“

Die große Wendung des Films - Nach dem Tod Toni Pensbergers bei der Weltmeisterschaft 1966 in Cortina folgt mit dem Olympiasieg von Zimmerer/Utzschneider erst noch der große Triumph

Pensbergers Tod war nicht das Ende. Mit Zimmerers und Utzschneiders Sieg im Zeichen der fünf Ringe sollte der größte Triumph erst noch folgen: Das ist der große Wendepunkt im Film. Neben den Olympiasiegern kamen mit Stefan Gaisreiter (Weltmeister 1968, Olympia-Bronze 1972 im Vierer), Anton Fischer (Deutscher Meister 1983) und Franz Sagmeister (Bronze bei der Weltmeisterschaft 2003 an der Seite von René Spies) zahlreiche weitere Olympia-Teilnehmer aus Ohlstadt zu Wort.

„Durch die so lange Drehzeit konnten wir noch Florian Bauer mit reinnehmen“, freut sich Binder. Der Athlet des Bob- und Rodel-Clubs Ohlstadt hatte im Februar in Peking olympisches Silber im Zweier- und Viererbob gewonnen. „Das ist das i-Tüpfelchen, dass wir dem Film noch diese Aktualität geben konnten.“ Im Rahmen einer eine Ehrung im April für alle Olympia-Teilnehmer in Ohlstadt anstand, wurde der Streifen das erste Mal gezeigt. „Alle Protagonisten waren sehr ergriffen“, erinnert sich Binder. Das Besondere an dem Werk: Es erzählt die Geschichten der einzelnen Fahrer nicht chronologisch, es zeigt zwischendurch immer wieder den aktuellen Helden Florian Bauer. Die Doku geht zudem auf die technische Entwicklung der Schlitten und die Geschichte der Gemeinde Ohlstadt ein. Als Sprecher gewann Binder den BR-Moderator Tom Meiler. „Er war unglaublich kooperativ und engagiert.“

Vermarktung des Films noch in Planung - weitere Projekte in der Mache: „Keine Konkurrenz für den BRCO“

Noch überlegen die Initiatoren, wie sie den Film vertreiben wollen. Rund 30 000 Euro haben sie in ihn investiert. „Die Vermarktung unserer Bobtradition geht nicht ohne die Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, erklärt Binder, der betont, als Privatperson, als Bobfan und nicht als Gemeinderat zu handeln.

Für seinen neuen Verein plant er noch mehr Projekte. „Wir wünschen uns seit langem ein Museum am Dorfbach.“ Bis Jahresende soll ein „Olympischer Weg“ in Ohlstadt entstehen, vorbei an den Geburtshäusern von Zimmerer und Utzschneider. Wo die Zielkurve der Bahn verlief, könnten Tafeln an die Bedeutung der Stätte erinnern.

„Wir wollen keine Konkurrenz für den BRCO sein“, stellt Binder noch klar, dessen neuer Verein langfristig in eine Stiftung übergehen soll. „Wir wollen ein Miteinander.“ Ob es darum geht, Spenden zu generieren, um den BRCO bei der Nachwuchsarbeit zu unterstützen, personell bei der Anschubmeisterschaft zu helfen oder ein Public-Viewing von WM-Rennen auszurichten. „Wir sind dabei.“

Die Vereinsgründung

des „Olympia Bobsport Stiftung Ohlstadt e.V“ findet am Mittwoch, 29. Juni, ab 19 Uhr im Gasthof Post in Ohlstadt statt.

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