WM ohne Sportwetten

- VON DIETER PRIGLMEIR Erding - Das Urteil ist druckfrisch und freut Rudi Feistl. Es verdonnert die Stadt, ihre sofortige Schließung eines privaten Wettbüros zurückzunehmen. Das Problem: Es handelt sich um das Verwaltungsgericht Minden und die Stadt Bielefeld. Feistl und seinem auf Eis gelegten Büro "Treffer Sportwetten" hilft das wenig. Seine Firma ist unter den sieben privaten Wettbüros im Kreis Erding, die das Landratsamt schließen ließ - "während in München, Landshut, Dingolfing und Moosburg das Geschäft blüht", ärgert sich der Unternehmer aus Erding.<BR>

<P>Zusammen mit Markou Paraskevas und Lorenz Lobmeyer betreibt er seit November in der Kreisstadt das Wettbüro, ein Franchise-Unternehmen der Tipico Ltd., die ihren Sitz auf Malta hat und in Deutschland 2000 Mitarbeiter beschäftigt. <P>Momentan herrscht bei dem Thema juristische Verwirrung. Das Bundesverfassungsgericht hat am 28. März entschieden, dass das staatliche Monopol bei Sportwetten zulässig ist. Das steht allerdings im Widerspruch zur Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs. Zumindest schätzt dies der Verband der Europäischen Wettunternehmer so ein.<P>Für das Bayerische Innenministerium ist das Ganze allerdings eindeutig. Bereits am 4. April wies es alle Kreisfreien Städte und Landkreise an, "sicherheitsrechtliche Untersagungsbescheide zu erlassen", die für sofort vollziehbar erklärt wurden. Gestützt von einem Urteil des Landgerichts München handelte das Landratsamt Erding einen Monat später.<P>Landratsamt droht mit<P>30 000 Zwangsgeld<P><P>"Zwei Büros haben freiwillig zugemacht", sagte Christina Centner, Pressesprecherin des Landratsamts. Den anderen fünf untersagte die Behörde "die Annahme, Vermittlung und Veranstaltung von Sportwetten". In dem Bescheid an "Treffer Sportwetten" drohte der Kreis jedem der drei Geschäftsführer ein Zwangsgeld von 10 000 Euro an, sollte das Büro geöffnet bleiben. Weitere 2000 Euro wären fällig, wenn die Plakatwerbung vor dem Büro am Herzoggraben nicht verschwindet. <P>"Treffer Sportwetten" hat Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt und drohte Schadensersatz an, das Büro aber bleibt fürs Erste zu. Und dies ausgerechnet während der Fußball-WM. Feistl schätzt, dass ihm durch die Schließung ein Umsatz von rund 50 000 Euro durch die Lappen geht. Vor allem hatte er von der Weltmeisterschaft den Durchbruch für das noch in Deutschland in den Kinderschuhen steckende Geschäft erwartet. Feistl und seine Kollegen geben noch nicht auf, hoffen auf ein klärendes Urteil vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof - das aber erst gefällt werden dürfte, wenn der Fußballchampion feststeht.<P>Centner beteuerte, dass der Zeitpunkt der Schließung zufällig auf die WM falle. Das Amt habe auf die ministerielle Anweisung reagieren müssen, und die administrativen Vorbereitungen dafür dauerten eben. Dass andere Landratsämter nicht oder nicht so strikt reagiert haben, wollte Centner nicht kommentieren. Laut Tipico-Geschäftsführer Stefan Meurer sind derzeit in Deutschland zwei Tipico-Filialen geschlossen - von insgesamt 350.<P>

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