Parkhaus-Mord: Anklage gegen den Neffen

München - Ein halbes Jahr nach dem Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer steht die Anklage wegen Mordes gegen ihren Neffen Bence T. unmittelbar bevor. Er soll seine Tante in deren Penthouse erschlagen haben. Das Motiv: Angst vor Enterbung. Der 31-Jährige sitzt seit sechs Monaten in Untersuchungshaft und bestreitet die Tat.

Bence T. selbst war es, der die Leiche in dem Penthouse über dem Parkhaus Böhringer an der Baaderstraße fand. Bei den Vernehmungen verwickelte er sich laut Polizei in Widersprüche. In seiner Wohnung fanden sich damals Schlüssel für Parkhaus und Penthouse, obwohl seine Tante ihm alle Schlüssel abgenommen und ein Hausverbot erteilt hatte. Seine Freundin gab Bence T. zwar ein Alibi, aber ihre Aussage stimmte nicht mit seiner überein.

Verteidigung: Bence T. nicht der einzige Verdächtige

Die Anklage wird sich auf eine Reihe von Indizien stützen, über deren Inhalt die Staatsanwaltschaft derzeit noch Stillschweigen bewahrt. Auch Verteidiger Peter Witting hielt sich gestern weitgehend bedeckt. "Aber sämtliche Indizien sind nicht tragfähig, es besteht aus meiner Sicht nach wie vor kein dringender Tatverdacht", betonte er. Und: "Aus Sicht der Ermittlungsbehörden ist mein Mandant der einzige Tatverdächtige. Das sehen wir nicht so."

Charlotte Böhringer hatte das Parkhaus und weitere Immobilien von ihrem Mann geerbt. Mangels eigener Kinder kümmerte sie sich um die beiden Söhne ihrer Schwester, unterstützte sie finanziell und setzte sie als Erben ein. Dann, so ermittelte die Polizei, kam es zum Zerwürfnis mit Bence, weil der sein Jura-Studium abbrach. Auch seine Freundin erschien der 59-Jährigen, die sich gerne in der High Society bewegte, offenbar nicht standesgemäß. Böhringer soll ihrem Neffen mit Enterbung gedroht haben. Am 15. Mai wurde sie tot aufgefunden -erschlagen mit einem unbekannten scharfkantigen Gegenstand.

Das Schwurgericht will den Mordfall im Frühjahr verhandeln. Die Verteidigung hat eine weitere Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht. Zwei Beschwerden waren vom Amts- und Landgericht bereits verworfen worden.

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