Pflege-Hilfe kam zu spät

- Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt gegen AOK Bayern

VON BORIS FORSTNER Landau/Straubing - Nach dem Tod einer 89-jährigen Pflegebedürftigen aus dem niederbayerischen Landau hat ein ambulanter Pflegedienst Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen die AOK Bayern gestellt. Mit der umständlichen und lang dauernden Genehmigungsprozedur für eine Dekubitusmatratze seien der Seniorin vor ihrem Tod unnötig Schmerzen zugefügt worden. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt.

Hans Buchban, Chef des Pflegediensts und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins "Aktion Pflege Bayern", hat die 89-jährige Margarete C. acht Jahre lang betreut. Anfang Februar sei sie "gut gelaunt und geistig super drauf" gewesen. Doch musste sie ständig gelagert werden, damit sie nicht wund lag. Als Buchban bei ihr gefährliche Rötungen entdeckte, stellte der Hausarzt am 3. Februar ein Rezept für eine Anti-Dekubitusmatratze aus.

"Doch darauf haben wir vergebens gewartet", klagt Buchban. Die Frau habe die folgenden Tage durch entstandene Dekubiti große Schmerzen gehabt und Essen und Trinken verweigert. "Sie wurde psychisch mürbe und hat sich regelrecht aufgegeben", so Buchban. Schließlich kam sie am 13. Februar ins Krankenhaus, knapp zwei Wochen später war sie tot. Der erboste Buchban stellte Strafanzeige gegen die AOK und reichte beim Sozialministerium Rechtsaufsichtsbeschwerde ein. "Wenn man bedenkt, dass ein Wundliegegeschwür innerhalb von Stunden auftritt, ist das Genehmigungsprozedere der AOK eine Schande."

AOK-Sprecher Martin Braun kann die Vorwürfe "in keiner Weise nachvollziehen". Bei der AOK sei die Anfrage für die Matratze am 12. Februar angekommen und zwei Tage später genehmigt worden.

Doch was passierte bis zum 12. Februar? Da kommt das Sanitätshaus Zimmermann in Straubing ins Spiel. Solche Einrichtungen sind Vertragspartner der Krankenkassen, dort gibt es Hilfsmittel von der Krücke bis zum Rollstuhl - und auch die Dekubitusmatratze. Allerdings muss zuvor der Bedarf geprüft werden. Dieses Gutachten wurde, nachdem das Rezept am 5. Februar eingegangen war, einen Tag später erstellt, ging allerdings erst am 10. Februar an die AOK raus. "Es war leider ein Wochenende dazwischen", verteidigt sich Sanitätshaus-Abteilungsleiter Josef Pömmerl. Da die Patientin nur einen leichten Dekubitus hatte, habe man den Postweg gewählt. "Das will die Kasse so, Faxe sind nicht erwünscht." Und außerdem: Wäre der Fall so schlimm gewesen, wäre das Rezept des Arztes - ausgestellt am 3. Februar - nicht erst zwei Tage später bei ihnen abgegeben worden.

Diese Zwischenschritte sind es, die Buchban kritisiert. Die AOK-Bestätigung für die Dekubitusmatratze ging übrigens erst am 18. Februar wieder beim Sanitätshaus ein - es war wieder ein Wochenende dazwischen. Zu dieser Zeit lag Margarete C. längst im Krankenhaus.

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