Razzia im Bürgerhaus stößt auf Kritik

- "Café Marat" durchsucht

VON TOBIAS LILL Die Razzia im "Bürgerhaus Isarvorstadt" am Donnerstagabend ist bei Gegnern der Sicherheitskonferenz auf scharfe Kritik gestoßen. "Die Polizei will Einschüchterung und Eskalation", sagte der Fraktionschef der Grünen im Rathaus, Siegfried Benker. Claus Schreer vom Münchner Friedensbündnis sprach von einem "Polizei-Überfall". Polizei und Staatsanwaltschaft verteidigten ihr Vorgehen.

Wie berichtet, hatten am Donnerstagabend gegen 20 Uhr rund 70 Polizisten und Mitarbeiter des Staatsschutzes das "Café Marat" an der Thalkirchner Straße gestürmt. Polizei und Staatsanwaltschaft waren davon ausgegangen, dass in dem Gebäude Hinweise auf die Verfasser eines in Halle gefundenen Flugblattes zu finden seien. Das Flugblatt ruft nach Angaben der Polizei zur Gewalt gegen die Nato-Sicherheitskonferenz in einer Woche auf.

Laut Polizei verlief die Razzia friedlich. Die Beamten durchsuchten 22 Anwesende, ließen sie aber nach Feststellung der Personalien wieder frei. Ein Polizeisprecher sagte, man habe bisher kein Material gefunden, das eine Verbindung des Café Marat mit dem Flugblatt beweisen. Der Flyer, der den Staatsschutz auf den Plan gerufen hat, zeige einen vermummten Mann, der mit einem Gegenstand wirft. Dabei handle es sich um einen Aufruf zur Vermummung und zu gewalttätigen Handlungen.

Das Impressum des Flyers, teilte der Sprecher mit, habe zum Großteil falsche Daten enthalten. Auch die Thalkirchner Straße 104, wo sich das Café befindet, sei darauf genannt worden. "Die Durchsuchung war vollkommen korrekt", sagte Oberstaatsanwalt August Stern.

Die Gegner der Sicherheitskonferenz, die Anfang Februar in München stattfindet, sehen das anders. "Die Jugendlichen haben sich nur zur Demo-Vorbereitung getroffen", sagte Schreer. Ein Aktivist schilderte bei einer Pressekonferenz die Durchsuchung: "Wir haben gerade Transparente und Fahnen für die Demo bemalt, als es an der Türe klopfte", sagte er. Dann habe es einen lauten Knall gegeben und die Tür sei aus den Angeln geflogen. "Es herrschte das totale Chaos. Die sind einfach reingestürmt", so der junge Mann. Erst nach einer halben Stunde habe man erfahren, was los sei. Die Polizei bestätigte, dass man die Tür habe aufbrechen müssen, da sie verbarrikadiert gewesen sei.

Die Einsatzkräfte rückten gegen 22.30 Uhr wieder ab.

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