Regensburger CSU im Würgegriff

- Regensburg - Über Thomas Fürst kolportieren führende CSU-Politiker in der Stadt wenig schmeichelhaftes. Der "bewegt sich in einem rechtslastigen Umfeld", sagt der CSU-Kreischef Peter Welnhofer. "Sein Ziel war immer, Berufspolitiker zu werden", sagt der CSU-Fraktionschef Herbert Schlegl. Und der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger, zugleich Präsident des Bayerischen Städtetags, erwartet von der kommenden Wahl des Regensburger CSU-Vorstands nur eins: "Dem System Fürst muss deutlich eine Grenze gesetzt werden."

Am Samstag ist es soweit. Dann wird sich zeigen, ob der 35-jährige promovierte Historiker Thomas Fürst die Macht in der 1100 Mitglieder starken Regensburger CSU übernimmt. Eine erste Abstimmung hat er (erwartungsgemäß) verloren: Die CSU-Stadtratsfraktion, die in Regensburg eine satte absolute Mehrheit hat, entzog Fürst mit 22:7 Stimmen das Vertrauen. Die Aversion gegen ihn speist sich aus der Vergangenheit. Gern verweist Welnhofer etwa auf einen Segeltörn Fürsts vor Dalmatien. Mit dabei ein gewisser Johann S., von dem Aussagen wie "mit Ausländern würde ich genau so verfahren wie Hitler mit den Juden" überliefert sind. Fürst verweist zwar darauf, dass nicht er, sondern CSU-Stadtrat Gero Kollmer die Bootsfahrt organisierte. Allerdings soll sich Kollmer ebenfalls "sehr deutlich fremdenfeindlich" geäußert haben, wie eine Zeugin der "Mittelbayerischen Zeitung" schilderte.

Noch ist ungewiss, ob Fürst kandidiert - ebenso, wer sein Gegenspieler sein wird. Der amtierende CSU-Chef Welnhofer, der bei der Aufstellung für die nächste Landtagswahl 2008 mit Fürst als parteiinternem Gegenkandidaten rechnen muss, würde das Amt gerne dem zweiten Bürgermeister Gerhard Weber überlassen. Der zaudert.

Denn Fürst hat jahrelang Verbündete in einen Teil der 17 CSU-Ortsverbände geschleust, aus deren Reihen die am Samstag stimmberechtigten 120 Delegierten stammen. "Es kann sein, dass das Netzwerk Fürst da die Oberhand hat", sagt Stadtrats-Fraktionschef Schlegl. Erst kürzlich übernahm Fürst selbst den Vorsitz im traditionsreichen Ortsverband Altstadt. Ihm zur Seite als Mitglied im Vorstand steht Prälat Heinrich Wachter, Zentralpräses der 28\x0f000 Mitglieder (Sodale) umfassenden Regensburger Marianischen Männerkongregation. "Wachter ist ein Scharfmacher", heißt es selbst in Kirchenkreisen - einer, der gerne gegen die Schwangerenberatung Donum Vitae zu Felde zieht.

Dass sich ein Vertrauter des konservativen Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller und der nicht minder katholischen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis parteipolitisch engagiert, zeigt schon, dass die Regensburger CSU nicht ein x-beliebiger Stadtverband ist. Die Landes-CSU verfolgt die Lage aufmerksam. Zuletzt suchte CSU-Generalsekretär Markus Söder vergebens nach einer Lösung.

Schaidinger indes hadert damit, dass er Fürst früher selbst gefördert hat. Er liebäugelt mit einer eigenen Liste bei der Stadtratswahl 2008. Das würde die CSU spalten. "Ich nähre keine Spekulationen", sagt Schaidinger dazu.

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