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Renommierte Maler inspiriert von der anderen, unbekannten Welt

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- VON DR. BÄRBEL SCHÄFER Dachau - Studienreisen gehören zum Pflichtprogramm eines jeden Künstlers. Wegen seiner unvergleichlichen Kulturschätze war Italien schon immer ein wichtiges Ziel für Kunstreisen. Albrecht Dürer war der erste bedeutende deutsche Künstler, der das Land zu Bildungszwecken bereiste. Goethe und Mozart taten es ihm später nach. Aber auch Frankreich und die Niederlande waren wegen ihrer alten Meister und der Landschaft begehrte Reiseziele.

In der Ausstellung "Reisebilder Dachauer Maler" in der Gemäldegalerie gewinnt der Besucher einen eindrucksvollen Überblick über die Reiselust der Künstler im 19. und 20. Jahrhundert, die sie aus Europa heraus bis nach Südamerika und in die Südsee führte.

Den einen faszinierten Landschaften, den anderen die Menschen, den nächsten das Licht und die Farben und wieder andere warfen einen etwas delikaten Blick auf die Gesellschaft. Klaus Bergmann (1916-1956) zog es nicht in den sonnigen Süden, sondern nach Norwegen. Zwei in helle Farben getauchte Ölbilder sind der Beweis dafür, dass er in der zweiten Hälfte der 30er Jahre mehrmals das Land der Fjorde und Wälder bereiste. Bis heute tritt Klaus Bergmann kaum aus dem Schatten seines Vaters, des Haimhauser Tiermalers Max Bergmann, heraus, obwohl er ein begabter Maler war. So nehmen sich die beiden kleinen Landschaften aus Norwegen neben den kraftvollen und großen Atelierbildern des Vaters, der mit voyeuristischer Lust das Treiben der Halbwelt in Paris und München darstellte, auch vergleichsweise bescheiden aus, obwohl sie in delikater Farbigkeit und gelöster Geste gemalt sind.

Klaus Bergmann ließ sich nicht nur vom Vater ausbilden, sondern studierte in der Meisterschule für Wandmalerei von Professor Ludwig Gruber in München, anschließend in den Jahren 1938 und 1939 bei Professor Hermann Kaspar. Seit 1940 besaß Klaus Bergmann ein eigenes Atelier in München. Im Alter von nur 40 Jahren starb er am 5. Oktober 1956 in Garmisch, ein Jahr nach seinem Vater.

1938, als er den Vater auf einer Reise nach Norwegen begleitete, entstand das Bild der sturmgegerbten "Partie aus Höre", 1939 malte er die Fjordküste mit den steilen Uferhängen. Aus diesen Bildern spricht neben dem hohen Stimmungswert der rauen aber reizvollen skandinavischen Landschaft eine mühelose malerische Eleganz und Leichtigkeit.

Drei kleine Radierungen von Karl Staudinger, die in der Vitrine liegen, entstanden in Südamerika. Karl Staudinger (1874-1962), von 1913 bis 1928 Direktor der Industrieschule im thüringischen Sonneberg, trat 1928 eine Stellung an der Kunstschule in San José de Cuenta in Kolumbien an. Dort verlieren sich dann auch die Spuren des gebürtigen Österreichers. Umso wertvoller sind die drei erhaltenen Blätter mit den Fischerbooten auf dem Titicacasee und einer unter Palmen liegenden Hütte. Sie sind anrührende Dokumente des ärmlichen und ursprünglichen Lebens der Eingeborenen am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ein Beispiel für die Leichtigkeit des Seins ist dagegen das Venedigbild von Maria Langer-Schöller (1878 -1969). In fast naiver Heiterkeit malte sie das Treiben in der Lagunenstadt.

Auch Paula Wimmer (1876-1971) zog es hinaus in die große Welt, in Metropole wie Paris und Rom sowie nach Florenz, Venedig und auch in die Bretagne. Mit großem Erfolg beschickte sie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren Ausstellungen im In- und Ausland. Ob sie selbst mit dem Flugzeug reiste, ist nicht bekannt. Doch schien sie fasziniert zu sein von der technischen Errungenschaft des Fliegens. Vermutlich malte sie in den Fünfzigerjahren den Flugplatz in Böblingen. Mit seinen bunten Farben und der bewussten Unordnung der Flugzeuge am Boden und in der Luft steht das Bild in absolut krassem Gegensatz zu den dunkeltonigen Gemälden, die die Künstlerin in Paris und in der Bretagne schuf.

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie ist bis 3. September zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr; Samstag, Sonn- und Feiertag von 13 bis 17 Uhr.

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