Der Retter von Löwenbräu

- Joseph Schülein war der "König von Haidhausen" - 150. Geburtstag

VON JOHANNES MAYER Man nannte ihn den "König von Haidhausen". Joseph Schülein besaß ganze Straßenzüge, zahlreiche Gaststätten und Biergärten in dem Münchner Stadtteil. 1921 kaufte er kurzerhand die Firma Löwenbräu dazu. "Viel Geld hat sie gekostet, aber jetzt gehört sie uns", soll er damals gesagt haben. Weil die Brauerei angeschlagen war, schloss er sie mit einer anderen zusammen, die ihm ebenfalls gehörte: der Unionsbrauerei. Und rettete damit "Löwenbräu" vor dem Untergang.

Denn das Unternehmen wankte. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Löwenbräu AG, damals die größte Brauerei Münchens, nahezu bankrott gewesen: Die Firma hatte während des Kriegs ihre gesamten Absatzgebiete im Ausland verloren.

Mit Brauereien kannte sich Joseph Schülein aus. Aus dem Nichts hatte er ein großes Brauereiimperium geschaffen. Sein märchenhafter Aufstiege begann 1895, als er in Haidhausen die "Gambrinusbrauerei" kaufte. Es war eine ehemalige Taverne, die in den 1880er-Jahren stillgelegt worden war und verwahrloste. Im Jahr 1895 übernahm Joseph Schülein das heruntergekommene Unternehmen, das von nun an als Aktiengesellschaft unter dem Namen "Unionsbrauerei Schülein & Co" firmierte. Binnen kurzer Zeit brachte Schülein die marode Brauerei auf den technisch neuesten Stand. Die "Unionsbräu", wie die Firma kurz genannt wurde, blühte. Wenige Jahre später kaufte Schülein die "Münchner-Kindl-Brauerei" auf.

Ein Herz für die sozial Schwachen

Die "Unionsbrauerei Schülein & Co" war ein sehr bodenständiges und gesundes Unternehmen. Schülein war klug genug, bei der Fusion in den zwanziger Jahren den etablierten Namen "Löwenbräu" beizubehalten.

Joseph Schülein war einer der großen Unternehmerfürsten des vergangenen Jahrhunderts. Zur damaligen Zeit gab es in München viel mehr Brauereien als heute, viele von ihnen siedelten sich im Stadtteil Haidhausen an.

Am Ende des 19. Jahrhunderts war es ein Elendsviertel - Heimat der Armen und Kranken. Die Cholera wütete.

Auch wegen seines sozialen Engagements kannte jeder in Haidhausen Joseph Schülein. Außer seinem Geschäftssinn hatte er ein Herz für sozial Schwache. Er hatte zahlreiche arme Patenkinder, die er finanziell und mit Geschenken unterstützte. Außerdem förderte er arbeitslose Familien. Für seinen unternehmerischen Erfolg und seine sozialen Verdienste erhielt er den Ehrentitel "Geheimer Kommerzienrat".

Nach dem Zusammenschluss mit Löwenbräu verschwand der Name "Unionsbräu" völlig. Geschäftsführer im neuen Löwenbräu-Konzern wurde sein Sohn Hermann Schülein, der später vor den Nationalsozialisten nach New York flüchtete und dort die sehr erfolgreiche "Rheingold" Brauerei gründete.

Der Geheime Kommerzienrat Joseph Schülein zog sich bald nach dem Kauf von "Löwenbräu" im Jahr 1921 aufs Altenteil zurück. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatte er sich von seinem Vermögen das Schloss Kaltenberg als Alterssitz gekauft. Dort starb er 1938 mit 74 Jahren eines natürlichen Todes.

Trotz seiner jüdischen Abstammung blieb er von den Nazis unbehelligt. Der Sohn einer traditionsreichen jüdischen Familie wurde am 31. März 1854 in Thalmässingen in Mittelfranken geboren. Morgen würde er 150 Jahre alt werden. Ihm zu Ehren findet man seit 1945 in Berg am Laim eine Schüleinstraße und einen Schüleinplatz.

Heute gibt es den Namen "Unionsbräu" wieder. Seit 1990 führt der Münchner Wirt Ludwig Hagn die Brauereigaststätte. Genau in dem Gebäude, in dem sich auch die "Unionsbrauerei Schülein & Co" befand: Einsteinstraße 42, Haidhausen. Auch der historische Bierkeller ist noch erhalten. Und in einem weiteren Punkt setzt Hagn auf Tradition: "Wir brauen unser Bier selbst - und zwar genau so, wie man es auch schon vor 100 Jahren unter Joseph Schülein gemacht hat."

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