Daniel Küblböck: Exklusiv! Oberstaatsanwalt nennt traurige Details zu Überwachungsvideo

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Für Rüstungsindustrie ausgebeutet

- VON ANDREAS SEILER Seehausen - Wo heute Camper ihren Urlaub verbringen, herrschte vor über 60 Jahren der Terror des nationalsozialistischen Regimes: Auf der Halbinsel Burg existierte für wenige Jahre ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Bis zu 65 Menschen waren dort inhaftiert. Sie mussten vorwiegend für die Rüstungsindustrie sowie die Gemeinden Seehausen und Uffing arbeiten. Bislang fand dieses Thema in der Geschichtsforschung kaum Beachtung. Jetzt hat die Uffinger Historikerin Barbara Hutzelmann einen wissenschaftliche Beitrag für das Buch "Der Ort des Terrors", in dem das Lagersystem um das KZ Dachau genau beschrieben wird, verfasst.<BR>

Entwicklung<P>eines Flakgeschützes<P><P>Das KZ Dachau hatte insgesamt 152 Außenlager. Das Lager auf der Halbinsel Burg am Staffelsee wure wahrscheinlich 1944 errichtet, eventuell sogar schon 1943. Grund war die vom Reichswirtschaftsministerium angeordnete Verlagerung der Firma "Feinmechanische Werkstätten Ing. G. Tipecska" von München nach Seehausen. Der Betrieb, den es noch heute gibt, produzierte damals Zahnradprüfmaschinen und war an der Entwicklung eines elektrischen Flakgeschützes beteiligt, das als "Geheimwaffe" gehandelt wurde. "Möglicherweise entschied man sich für Seehausen, da das Unternehmen mit dem im Nachbarort Uffing ansässigen Wissenschaftler Otto Heinrich Muck zusammenarbeitete", spekuliert die Autorin Hutzelmann.<P>Das Außenlager war in verschiedene "Arbeitskommandos" aufgeteilt. Die Häftlinge mussten nicht nur für die Firma Tipecska arbeiten, sondern auch für die Kommunen sowie für Privatpersonen, die der NS-Diktatur nahe standen. So verrichteten Gefangene zum Beispiel auf dem Anwesen von Otto Heinrich Muck Gartenarbeiten. Auch wurde eine Gruppe dem Riedener Dr. Karl Jung zugeteilt. Genauere Angaben über die Tätigkeiten sind jedoch nicht bekannt.<P>Die meist politischen Häftlinge gehörten unterschiedlichen Nationalitäten an: Es waren Polen, Tschechen, Franzosen, Österreicher, Luxemburger, Italiener, Russen, Jugoslawen und Deutsche. Das Lager war von einem drei Meter hohen Elektrozaun samt Wachtürmen und Scheinwerfern umgeben, das Wachpersonal setzte sich aus Angehörigen der Waffen-SS und der Wehrmacht zusammen. Auf dem Gelände befanden sich die Arbeitsstätten und die Wohnbaracken. Die Lebensbedingungen wurden als sehr einfach und "erträglich" beschrieben. Die Verpflegung der Insassen war laut Hutzelmanns Recherchen "relativ ordentlich". Die sanitären Bedingungen ließen stark zu wünschen übrig. "Alle ehemaligen Insassen sagten übereinstimmend aus, dass es keine Häftlingstötungen gegeben hat", so Hutzelmann. Ein Häfting berichtete, er sei von einem Aufseher zusammengeschlagen worden. Es sind drei erfolgreiche Fluchtversuche dokumentiert.<P>Von amerikanischer<P>Armee befreit<P><P>Befreit wurde das Lager am 25. April 1945 von der amerikanischen Armee. Heute findet man in Seehausen keine Erinnerung an die Menschen, die auf der Halbinsel Burg gefangen gehalten wurden. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers befindet sich heute ein Campingplatz.<P><P>Der Beitrag von Barbara Hutzelmann über das Lager in Seehausen ist in dem Band "Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager" (Herausgeber: Wolfgang Benz, Barbara Distel) im Beck-Verlag erschienen. Eine Dokumentation über das Thema ist ab Freitagabend, 28. Oktober, im "Gelben Haus" in Murnau zu sehen. Anlass ist die Ausstellung "Krieg und Frieden" des Kunstvereins.<P><P>

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