Ruhe für Touristenattraktion

- Ruhpolding - Tyrena Ullrichs, Eigentümerin der historischen "Glockenschmiede" in Ruhpolding (Kreis Traunstein), kann aufatmen. Riesige Holztransportfahrzeuge rasten jahrelang an ihrer denkmalgeschützten Hammerschmiede vorbei. Jetzt hat die Besitzerin mit einer Klage gegen die Gemeinde Ruhpolding vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht Recht bekommen.

<P>Die im Jahr 1646 erstmals urkundlich erwähnte Hammerschmiede, die von zwei Wasserrädern betrieben wird, ist eine der Touristenattraktionen Ruhpoldings. In einer Ausstellung werden schwere Fallhämmer, eine Vielzahl von handgeschmiedeten Feuerzangen und anderes Werkzeug gezeigt. "Ein Film aus dem Jahre 1955, der den letzten Kuhglockenauftrag dokumentiert, lässt den Besucher die harte Arbeitswelt der Schmiede miterleben", heißt es in der Internet-Werbung. Wer will, kann auch das im Original erhaltene Traunsteiner Gebirgshaus bewundern, das Teil des Schmiede-Ensembles ist.</P><P>Doch die Idylle wurde in den vergangenen Jahren empfindlich gestört: Auf einem nur zwischen 2 und 2,40 Meter breiten Feldweg, der das Gelände der Hammerschmiede durchschlängelt, donnerten bis zu 40 Tonnen schwer beladene Holz-Laster im Auftrag des Forstamtes Ruhpolding und privater Fuhrunternehmer aus den nahen Waldgebieten. Und das, obwohl der 1962 öffentlich gewidmete Feldweg nie "schwerlastig" ausgebaut worden war. Die überdimensionalen Lkw, teils mit gleich zwei Anhängern, erschütterten die historischen Mauern aus Bachkugeln. Dachrinnen, Zaunpfosten, Büsche und Bäume wurden beschädigt.</P><P>Dies könnte nach dem Richterspruch bald Vergangenheit sein: Binnen sechs Monaten muss die Kommune den Weg auf Gemeindegrund zurück verlegen. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig. Doch Tyrena Ullrichs Rechtsanwalt, Hans Olschewski aus Traunstein, zeigt sich zuversichtlich: "Ich hoffe, dass die Gemeinde einsichtig ist", seine Mandantin wolle "ein wertvolles Baudenkmal" schützen. "Das ist ja letztlich auch im Interesse der Kommune."</P><P>Sollte die Gemeinde Ruhpolding die Gerichtsentscheidung umsetzen, können künftig keine größeren Fahrzeuge mehr den Feldweg im Bereich der Glockenschmiede benutzen. Nur Holzbauern mit ihren Traktoren dürfen dann noch die Stelle passieren. Wenn das Forstamt Ruhpolding den Wald weiter bewirtschaften will, ist eine neue Straße unumgänglich. Überlegungen zur Trassenführung gibt es bereits. <BR></P>

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