Ruhezonen für das Rotwild

- Dort, wo künftig majestätische Hirsche untertauchen dürfen, hat Münchens Forstamtsleiter Wolfgang Hohenadl am Donnerstag die Erinnerung an ein längst vergangenes Wilderer-Drama "aus dem Waldesdunkel herausgeholt": Die "Grüne Marter", ein Kulturdenkmal aus dem 18. Jahrhundert, steht jetzt gut sichtbar am Karolinen-Geräumt im Forstenrieder Park, 1200 Meter südlich der Kreuzung Ludwig-Geräumt. Jenseits des Waldweges erstreckt sich künftig bis zur Autobahn eine von zwei "Wildruhezonen" im Wildpark, die bei dieser Gelegenheit der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.<BR>

"Disse Daffel hat erneuert der erengeachtete Franz Jägerhuber, chrfstl. Oberförster anno 1772", bekundet die Inschrift unter dem Bild des Marterls, das Maria und Maria Magdalena neben dem gekreuzigten Jesus zeigt. Aufgestellt wurde das Mahnmal der Überlieferung zufolge schon 100 Jahre früher an dem Ort, wo ein Jäger von einem Wilderer erschossen worden war.<P>"Immer wieder haben Wanderer dieses Kulturdenkmal vergeblich im Wald gesucht und dann bei uns nachgefragt, wo es denn steht", berichtet Wolfgang Hohenadl. Mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Forstenrieder Vereine und der Freunde des Forstenrieder Parkes ist das Marterl jetzt an einen besser geeigneten Platz umgesetzt worden. Vertreter der Vereine gingen Revierförster Joachim Hoffmann tatkräftig zur Hand und betonierten das Fundament im Schatten einer Eiche.<P>Jenseits des Weges schraubten sie dreieckige Schilder an, die es bisher im beliebtesten Naherholungsgebiet der Münchner nicht gab: "Wildruhezone" steht auf den dreieckigen Schildern mit grünem Rand. Sie kennzeichnen Schwammerlsucher ausgesperrt zwei Flächen, die künftig für Wanderer, Schwammerlsucher und Radler tabu sind: ein 376 Hektar großes Areal zwischen Autobahn im Westen, Ludwigs-Geräumt im Norden, Karolinen-Geräumt im Osten und Frideriken-Geräumt im Süden, sowie eine zweite, 197 Hektar große Zone zwischen Oberdill, Amalien-Geräumt, Augusten-Geräumt und westlicher Wildpark-Grenze. Etwa 15 Prozent des gesamten Forstenrieder Parks und 27 Prozent des eingezäunten Wildparks sind damit als Ruhezone ausgewiesen.<P>Vor allem das Rotwild, so Hohenadl, soll hier Rückzugsmöglichkeiten finden. Die Parkbesucher sollen an speziell eingerichteten Plätzen bessere Chancen erhalten als bisher, die größte Wildtierart unserer Heimat in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.<P>"Wir hoffen auf die Einsicht der Parkbesucher", sagt Hohenadl, vor allem mit Blick auf die Schwammerlsucher. Er hofft, dass es nicht nötig sein wird, eine Verordnung zu erlassen, die das Betreten der gekennzeichneten Flächen unter Strafe stellt.<P>Peter T. Schmidt<P><P>

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