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Mit Salutschüssen "in den Weltverkehr eingetreten"

- VON JOHANNES THOMA Landkreis - Der 1. Februar 1866 war ein Donnerstag, das Wetter ziemlich heiter und warm. In Weilheim war Lichtmess-Viehmarkt. Am mit Kränzen, Girlanden, und Wappen geschmückten Bahnhof standen Schüler in Uniformen und winkten mit Fähnchen in Nationalfarben, die Glocken der Stadtpfarrkirche schlugen unablässig. Als um 9.18 Uhr die dampfumwölkte Lokomotive "Mittenwald" einfuhr, erklangen Salutschüsse und Kanonendonner, die Menschenmenge stimmten ein lautes "Hoch" an - die Bahnlinie Tutzing-Unterpeißenberg war eröffnet. Weilheims Stadtpfarrer Carl August Böhaimb geriet ins Schwärmen, die Region zwischen Tutzing und Unterpeißenberg "war in den Weltverkehr eingetreten".<BR>

Die Genehmigung zum Betrieb der zunächst privaten Bahnlinie hatte wenige Tage vorher König Ludwig I. erteilt - 13 Jahre vor der Einweihung der Bahnlinie Weilheim-Murnau. Mit der Eröffnung rückte für (Unter)Peißenberger, Weilheimer, Wilzhofener (die Haltestelle wurde vor rund 20 Jahren geschlossen) und Diemendorfer die Landeshauptstadt näher: Die Fahrtzeit von Unterpeißenberg, dem heutigen Mini-Haltepunkt Peißenberg-Nord, betrug zunächst drei Stunden, wenige Jahre später nur noch rund zwei Stunden. Pro Tag waren jeweils zwei Züge von und nach München unterwegs - einer am Morgen, einer am Nachmittag. Zudem wurden auch vier Güterzüge täglich eingesetzt, die einen günstigeren, schnelleren Transport von Waren zur und aus der Landeshauptstadt ermöglichten.<P>Der 1. Februar 1866 war nicht nur ein Tag der reinen Freude, daran erinnert Spitalkurat Andreas Schmidtner (1815-1906) in seinen Aufzeichnungen: Während der knapp drei Jahre dauernden Bauphase kamen 25 Arbeiter ums Leben, viele wurden verletzt. Die Stadt Weilheim verpflichtete sich, die Verletzten in ihrem Spital zu behandeln. Unter den Opfern waren "außer den Bayern und Deutschen auch öftermals Italiener, deren einige nichts Deutsches verstanden, auch etwelche Stockböhmen" (Tschechen), schreibt Schmidtner. Noch wenige Wochen vor der Eröffnung, am 28. Dezember 1865, ereignete sich ein tödlicher Unfall. Ein Materialzug entgleiste, zwei Arbeiter wurden herausgeschleudert; einer prallte mit dem Kopf gegen ein Rad, "so das eine schreckliche Kopfwunde in einer Minute sein Leben endete". Der Tote war ein gewisser Michael Bückel, ledigen Standes, 28 Jahre, aus Marktbibart und katholisch. Er war, schreibt Schmidtner, "ein braver Mensch, der die Kirche gern besuchte".<P>Auch der "Kini"<P>fuhr mit der Bahn<P><P>Einer, der die Bahnlinie später gern nutzte, war König Ludwig II., der auf seinem Weg nach Neuschwanstein in Peißenberg Station machte. 1870 war ein Sonderzug auf der rund 20 Kilometer langen Strecke unterwegs: Kaiser Wilhelm I. beehrte die Marktgemeinde, ehe er sich zu seiner Cousine nach Hohenschwangau aufmachte.<P>Quellen: Festschrift "100 Jahre Bahnlinie Weilheim-Murnau", "Die Eisenbahnen im Landkreis Weilheim-Schongau und "Peißenberger Heimatlexikon".<P>

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