Sanitas-Klinik vor dem Aus

- Unternehmensgruppe stellt Insolvenzantrag - Korruptionsskandal

VON ANDREAS SEILER Murnau - Die Marktgemeinde Murnau verliert voraussichtlich eine ihrer vier Kliniken: Die Sanitas-Gruppe, zu der das Ludwigsbad am Seidlpark gehört, hat beim Münchner Amtsgericht in Folge eines Korruptionsskandals Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Derzeit laufen Verhandlungen über eine Auffanglösung für die Kette, zu der deutschlandweit elf Kliniken gehören. Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass eine Fortführung der Einrichtungen in Murnau und Bad Griesbach nicht geplant ist. In der Staffelsee-Gemeinde sind gut 50 Arbeitsplätze von der Schließung betroffen.

Überraschend kam der bereits kurz vor den Weihnachtsfeiertagen eingereichte Insolvenzantrag nicht. Wurden doch im Sommer 2003 die elf Sanitas-Kliniken überteuert von der Heidelberger SRH-Akutklinikgruppe eingekauft. Ein ehemaliger Manager der SRH-Kliniken AG, die zu den umsatzstärksten privaten Unternehmen auf dem deutschen Krankenhausmarkt gehört, hatte gegen besseres Wissen den Wert der Sanitas-Gruppe um mehrere Millionen Euro zu hoch eingeschätzt. Dafür kassierte er von zwei Sanitas-Miteigentümern 300 000 Euro. Den Fall behandelt inzwischen die Münchner Staatsanwaltschaft.

Hohe Verluste

Die SRH-Gruppe musste vergangenes Jahr aufgrund des bewusst fabrizierten Bilanzfehlers überraschend fünf Millionen Euro Verlust verkraften. Mit der Insolvenz der Sanitas-Kliniken soll nun versucht werden, die wirtschaftliche Schieflage wieder zu korrigieren.

Weder Gesellschafter noch Banken seien bereit gewesen, die zur Fortführung des Betriebs notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, erklärt Sanitas-Geschäftsführer Edmund Fröhlich. Aus diesem Grund sei es notwendig geworden, den Insolvenzantrag zu stellen. Mit dem Fall wurde der Münchner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Ott beauftragt. Derzeit werde geprüft, ob die Sanitas-Kliniken gerettet werden können, erläutert Fröhlich im Tagblatt-Gespräch. Er wollte weder bestätigen noch dementieren, dass die Einrichtung in Murnau geschlossen wird. Die Fortführung der Standorte Murnau und Bad Griesbach werde jedoch als "problematisch" bewertet.

Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass die Schließung der Murnauer Sanitas-Klinik, die seit Februar 2001 im Ludwigsbad beheimatet ist, so gut wie sicher ist. Seit Anfang des Jahres ruht der Betrieb. Die restlichen Patienten wurden in andere Kliniken verlegt. Am kommenden Montag steht eine Betriebsversammlung an. Die Murnauer Einrichtung ist eine Fachklinik mit 90 Betten für psychosomatische Medizin und orthopädische Rehabilitation.

"Sollte die Sanitas-Klinik geschlossen werden, wäre dies ein schwerer Schlag für Murnau und die Region", erklärte gestern Bürgermeister Dr. Michael Rapp. Er habe jedoch noch keine "offizielle Information" über eine Schließung erhalten. Der Fall Sanitas zeige, dass die Beschäftigten und die Region die Betrügereien einzelner Manager ausbaden müssen, sagt der DGB-Regionsvorsitzende Manfred Neupfleger.

Elf Häuser, 3100 Betten

Zur Sanitas-Gruppe gehören die Sanitas Kliniken GmbH & Co. KG, die Sanitas Klinik Alpenblick GmbH (Bad Griesbach) sowie die Sanitas Klinik Ludwigsbad GmbH & Co. KG (Murnau). Die Unternehmensgruppe betreibt insgesamt elf Reha-Kliniken mit 3100 Betten und 1100 Mitarbeitern. Sitz der Hauptverwaltung ist Unterschleißheim. Bereits vor dem Verkaufs an die SRH-Gruppe war Sanitas in einem Korruptionsskandal verstrickt. Im AOK-Bestechungsfall kassierten Mitarbeiter der Krankenkasse Schmiergelder, um Patienten zu vermitteln. Laut Branchenexperten herrscht derzeit im Reha-Bereich aufgrund der Überkapazität an Betten ein gnadenloser Konkurrenzkampf.

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