"Saudummer Irrtum": Steinbock am Großen Traithen geschossen

- Ermittlungen gegen Schlierseer Forstamtmann eingestellt

VON MICHAEL HEIM Bayrischzell - Der Schütze war an diesem Tag nicht gut bestrahlt. Die Geschichte ereignet sich im Sternzeichen des Skorpions, im Zeichen des Steinbocks kommt sie ans Licht: Am 6. November vergangenen Jahres schießt der Schlierseer Forstamtmann Robert Wiechmann am Großen Traithen einen Steinbock, um Dreikönig wird der Vorfall in Jägerkreisen bekannt. Trotzdem stehen die Sterne für Wiechmann günstig: Zu diesem Zeitpunkt hat die Staatsanwaltschaft München II ihre Ermittlungen wegen des Verdachtes eines Verstoßes gegen das Bundesjagdgesetz bereits eingestellt.

Sie vermöge kein "öffentliches Interesse" wahrzunehmen, verlautete von der Behörde. "Paragraph 153, Absatz 1, Strafprozessordnung - für uns ist die Sache abgeschlossen", erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl auf Anfrage der Heimatzeitung. Jägerkreise sind dagegen überzeugt: Jetzt geht der Skandal erst richtig los.

Tier fiel in einem Schutzwald

Es war wieder eine jener spätherbstlichen Jagden des Forstamtes Schliersee, die je nach Einschätzung zwischen "Bewegungsjagd", "Drückjagd" und "Hetzjagd" eingeordnet werden. Diese Praktiken des Schlierseer Forstdirektors Hans Kornprobst führten vor einigen Jahren am Trainsjoch zu einem Zwischenfall mit überjagenden Hunden auf Tiroler Seite. Der Tiroler Almbauer Hans Juffinger, der gegen diese Praktiken protestierte, fand sich nach einer Strafanzeige Kornprobsts vor dem Landgericht München II wieder. Im November 2001 kam es zu einem ähnlichen Zwischenfall mit überjagenden Hunden des Schlierseer Forstamtes im Bereich Tiroler Kesselbodenalm; diesmal ist es Kornprobst, gegen den ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren, "Tagsatzung" genannt, des Bezirksgerichtes Kufstein läuft (wir haben berichtet).

Der Steinbock, den nun ein Mitarbeiter des Schlierseer Forstdirektors, der Forstamtmann Wiechmann, im November 2002 erlegte, fiel im Bereich "Gseng" am Großen Traithen - in einem Schutzwaldgebiet, wie Hans Kornprobst betont. Der Bock, nach Kornprobsts Schätzung etwa sechs Jahre alt, gehörte zu einer Steinbock-Kolonie, die die Familien Sachs und Graf Arco mit Unterstützung des Freistaates vor etwa 35 Jahren im Gebiet Brünnstein angesiedelt hatte und die gegenwärtig etwa 40 Tiere zählt. Beliebtestes Einstandsgebiet der Herde ist die so genannte Fürstenwand.

Warum Wiechmann bei einer "Bewegungsjagd" auf Rotwild, Rehwild und Gams einen dieser Steinböcke geschossen hat, kann dessen Vorgesetzter Kornprobst nur als "einen saudummen Irrtum" erklären, den er zutiefst bedauere. Auch der Präsident der Forstdirektion Oberbayern-Schwaben, Günter Biermayer, erklärte gegenüber der Heimatzeitung, es sei ein besonders bedauerliches, weil irreparables Versehen.

Selbstanzeige erstattet

Robert Wiechmann hatte am Tag nach dem Steinbock-Abschuss Selbstanzeige erstattet, offenbar via Landratsamt, für das er im Unteren Jagdbeirat tätig ist. Der Jagdberater des Landkreises, Georg Bromme, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, wurde von der Behörde nicht informiert. Die Ermittlungsakte, in der die Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Vergehen Wiechmanns verneint, liegt gegenwärtig wieder im Landratsamt. Ein Angebot der Heimatzeitung, Auszüge aus dem - ihn offiziell entlastenden - Dokument zu veröffentlichen, lehnte der Forstamtmann ab. Eine disziplinarrechtliche Untersuchung gegen Wiechmann werde, wie bei allen straf-relevanten Vorgängen, in jedem Fall eingeleitet, erklärte Präsident Biermayer. Die Forstdirektion habe zunächst die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und die Feiertage abgewartet.

Jagdberater Georg Bromme reagierte mit Empörung auf die Steinbock-Affäre: Nach seinen Worten sei es immer wieder das Forstamt Schliersee, das die Jagd generell in Verruf bringe. "Und dass ein Forstbeamter einen Steinbock mit einem Hirsch verwechselt", betonte Bromme mit Blick auf den Unterschied zwischen Hirschgeweih und Sichelhorn des Steinbocks, "ist für mich einfach nicht nachvollziehbar." In Jägerkreisen heißt es unumwunden, Wiechmann sei selbst im Unteren Jagdbeirat nicht mehr tragbar. Als Beispiel für unterschiedliche Maßstäbe, die bei Jagdvergehen angelegt werden, wird in diesen Kreisen der Wiesseer Kleinbucherbauer angeführt, der sich vor Jahren beim Abschuss eines Hirsches im Trophäengewicht um 150 Gramm verschätzt hatte und deshalb zu einer Geldbuße und einem Jahr Jagdscheinentzug verurteilt worden war.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

FC Ismaning verliert zwei Stürmer
In der Fußball-Bayernliga hat der FC Ismaning am Freitagabend nicht nur das Spiel bei Tabellenführer Pipinsried verloren, sondern auch zwei seiner Stürmer.
FC Ismaning verliert zwei Stürmer

Kommentare