Schlammschlacht der Rebellen

- Wie die Junge Union regelmäßig die CSU ins Zwielicht stellt

VON MATTHIAS KRISTLBAUER Noch vor wenigen Wochen hatte Bäckermeister Heinrich Traublinger mit seiner politischen Karriere an der Parteibasis abgeschlossen. Sein Interesse am Ortsvorsitz der CSU im Perlach sei verflogen, sagte der 59-Jährige da. Anfang Februar holte der Handwerker-Präsident den CSU-Vorsitz unerwartet zurück, den ihm vor zwei Jahren noch Matthias Pawlik abgejagt hatte. "Ich bin von vielen angesprochen worden, zu kandidieren", sagt Traublinger. "Um wieder eine Einheit im Ortsverband zu bekommen."

Dass diese auf unabsehbare Zeit zerstört ist, ist ein Verdienst der Jungen Union (JU), die in der Münchner CSU schon oft für Skandale gesorgt hatte. Doch diesmal sind die Lager sogar innerhalb der JU zerstritten wie nie zuvor: Markus Blume auf der einen Seite, Matthias Pawlik, Rasso Graber und Christian Baretti auf der anderen. Zwischen ihnen herrscht "abgrundtiefer Hass", wie es heißt. An ihm zerbrach sogar die Verlobung des Münchner JU-Vorsitzenden Graber mit Blumes Schwester Sandra.

Dabei machten die Vier in Gefolgschaft des Landtagsabgeordneten Joachim Haedke vor zwei Jahren noch gemeinsame Sache. Mit einer Reihe von Neumitgliedern im Schlepptau kippte man Traublinger vom Ortsvorsitz, mit dem Ziel, ihm das Landtagsmandat abzujagen.

Traublinger im Ränkespiel der Jungen Union

Bei der Verteilung der Beute gerieten sich die JU-Rebellen jedoch in die Haare; Traublinger wurde zum Spielball in deren Ränkespiel. Graber sähe lieber den Oldie im Landtag. In fünf Jahren hätte er so leichteres Spiel, diesen zu beerben. Blume will das Mandat sofort.

Was dabei herauskam, füllte über Tage die Schlagzeilen. Der Streit griff auf die Ortsvorstandswahlen in Perlach über. Graber und Gefolgschaft hoben plötzlich wieder Traublinger auf den Schild und servierten Blume als Stellvertreter ab. Wieder waren Neumitglieder die Gehilfen. Sogar gefälschte Aufnahmeanträge, wie Blume vermutet, sollen im Spiel gewesen sein. Drei Wochen hatte sie Stadtrat Baretti zurückgehalten, "damit sie nicht verloren gehen", wie er sagt. Der vorläufige Höhepunkt einer langen Liste von Skandalen. Immer im Mittelpunkt: die JU und ihre Mitgliederverschiebungen.

1996 musste die Vorstandswahl im Kreisverband im Süden wiederholt werden. Kurz zuvor war ein Dutzend Mitglieder aufgenommen worden - angeblich auch aus dem Ortsverband von Pawlik. In Nymphenburg soll es vor zwei Jahren ähnliche "Stimmvieh"-Auftriebe gegeben haben. Bisweilen neigen die "jungen Wilden" sogar zu Kamikaze-Aktionen: Vor der Bundestagswahl 1998 stellte sie sich gegen den umstrittenen CSU-Abgeordneten Erich Riedl und unterstützte - erfolgreich - den SPD-Newcomer Christoph Moosbauer.

Das Ämter-Streben ist in der JU, deren männliche Vertreter sich gerne im dunklen Zwirn zeigen, weit verbreitet. Jung-Stadtrat Georg Eisenreich entschied sich nach wenigen Monaten im Amt für die Landtagskarriere und sägte Mitbewerber Aribert Wolf ab. Blume und Graber wollen es ihm jetzt gleichtun. Ihr Streit wurde zur Schlammschlacht. Der Staatsanwalt schaltete sich ein, der "Spiegel" berichtete deutschlandweit. "Für die CSU war das nicht erbaulich", sagt ein Funktionär.

"Der Kreisverband muss zur Sacharbeit zurückkommen", fordert der Vorsitzende Hans Podiuk. Zunächst jedoch muss der Verband heute wegen der Wahlanfechtung in Perlach tagen.

Auf dem eigentlichen Kampfplatz droht Herausforderer Blume eine Niederlage. Seit Mittwoch sind die hundert Delegierten komplett, die demnächst über die Landtagskandidatur entscheiden. Die meisten, so heißt es, stünden auf Traublingers Seite.

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