Schmid gibt Profi-Eishockey eine Chance

- Runder Tisch bei Bürgermeister

VON PETER REINBOLD Garmisch-Partenkirchen - Kennen Sie den? Kein Witz, kein Limerick, sondern ein Sinnspruch, wie man ihn gemeinhin auf Abreißkalendern findet. "Immer wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her". Er beschreibt treffend die Situation des SC Riessersee, die sich nach der Gesprächsrunde bei Bürgermeister Thomas Schmid ergeben hat. Das Lichtlein entpuppt sich indes als ausgewachsenes Leuchtfeuer. Im Klartext: Seit Mittwochnachmittag besteht wieder die (realistische) Möglichkeit, dass es in Garmisch-Partenkirchen in der kommenden Saison Oberliga-Eishockey zu sehen gibt.

Am runden Tisch, zu dem Schmid Geschäftsleute und Investoren eingeladen hatte, saßen zudem Insolvenzverwalter Dr. Martin Prager und Ralph Bader, der mit seiner Gruppe versucht hatte, das Insolvenzgeld aufzubringen, aber daran gescheitert war, dass man ihm kurz vor dem Ziel Knüppel zwischen die Beine geworfen hatte. Der Bürgermeister beziffert die Zahl, die benötigt wird, um die Insolvenz der SCR Eishockey Vermarktungs GmbH abzuwickeln, auf "100 000 Euro, plus minus zehn Prozent". Die echte Summe sei weit höher, doch zeigten sich Ralph Bader wieder

mit im Boot

Gläubiger bereit, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Mit Prager habe man vereinbart, noch vor Ostern oder bis Ostern das Insolvenzverfahren auf den Weg zu bringen, "um in der Saison 2004/2005 Oberliga-Eishockey anzubieten". Schmid rechnet mit dem Eingang von 140 000 Euro. Ralph Bader, der mit seiner Gruppe wieder die Retterrolle übernommen hat, richtet bei einer Bank ein Treuhandkonto ein, auf das die Beträge eingezahlt werden sollen.

Schmid sieht auch die Möglichkeit, zwei Vereine aus der Deutschen Eishockey-Liga ins Boot zu holen, die Interesse bekundet haben sollen, Gesellschafteranteile zu erwerben. "Wir denken auch in diese Richtung", sagt er, "und haben unsere Fühler ausgestreckt." Bei den beiden DEL-Klubs soll es sich um die Nürnberg Ice Tigers und die Kölner Haie handeln, deren Hauptgesellschafter Heinz-Herrmann Göttsch das Fachmarktzentrum in Garmisch-Partenkirchen bauen möchte.

Alle Hürden sind indes noch nicht genommen. "Woran`s scheitern könnte, ist der Wirtschaftsplan", erklärt Schmid. Bis zum 27. April muss der stehen. Gelingt dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht, "dann müssen wir die Erste Mannschaft beerdigen". Doch das Gemeindeoberhaupt kehrt den (verhaltenen) Optimisten heraus. Potenzielle Sponsoren zeigten Interesse, auf dem Trikot und den Bullypunkten zu werben. Auch eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, sieht er nicht als Problem, nachdem er sich mit Joseph "Peppi" Heiß und Ex-Trainer Peter Gailer kurz geschlossen hat. "Spieler bekommen wir auch später noch."

Im Kopf des Garmisch-Partenkirchner Rathaus-Chefs vollzog sich in den vergangenen Wochen ein Umdenkungsprozess, ausgelöst durch den Hinweis der Verantwortlichen des SCR-Vereins, dass auch der Club in Schieflage geraten könnte, gäbe es in Zukunft kein Profi-Eishockey mehr. Zwar stellt Schmid weiterhin klar, dass es "nicht Aufgabe einer Kommune sein kann, Steuergelder für Profis bereit zu stellen. Den Verein unterstützen wir gerne." Und dies geschieht, greift man der GmbH zumindest ideell unter die Arme.

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