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Schraube locker: Wenn sich der Reifen von der Achse löst

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- "Fahrlässig" - Unfall vom Mittwoch aber ein Einzelfall

VON JOHANNES JAIS Schongau/Altenstadt -

Da sind sich Kfz-Sachverständige und die Polizei einig: Bei dem Unfall vom Mittwochabend, als sich zwischen Burggen und Schongau von einem Tandemanhänger ein Rad löste und ein nachfolgendes Auto auf den Reifen aufgefahren ist, handelt es sich um einen "Einzelfall". Ein solcher Fall sei in der gesamten Polizeidirektion Weilheim, die für drei Landkreise zuständig ist, seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen, schildert Pressesprecher Hubert Schwaiger. Der Verursacher des Unfalls, der den Reifen zuvor gewechselt und die Schrauben unzureichend angezogen hatte, müsse sich aber wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

"Das ist äußerst selten", kommentiert Manfred Schiefele, der in Altenstadt ein Sachverständigen-Büro für Kfz-Schäden und Bewertung betreibt, das Vorkommnis vom Mittwochabend, bei dem ein Schongauer Autofahrer auf der Kreisstraße WM 3 gegen einen Reifen prallte, der sich von einem vorausfahrenden Anhänger gelöst hatte. Viel häufiger seien Unfälle, nachdem ein Reifen geplatzt sei.

In Bezug auf die Gesamtleistung der gefahrenen Kilometer aller Autos sei ein "lockerer" Reifen eine verschwindend geringe Unfallursache. Doch die Gefahr, die von der "ungeheuren drehenden Masse" ausgehe, sei immens. Ein Rad in der Bewegung "kann Wände durchschlagen", schildert Schiefele.

"Im Einzelfall taucht das immer wieder auf", sagt Michael Dulisch nach dem Unfall, bei dem sich ein Reifen gelöst hat. Der Altenstadter ist bei der DEKRA-Bezirksniederlassung in Kempten beschäftigt und einer von 18 Ingenieuren. Wer die "Schlappen" am Pkw im Frühjahr oder Herbst selbst abnimmt bzw. aufzieht, sei mit einem "Drehmomentschlüssel" richtig ausgestattet, weiß Dulisch.

Nachziehen mit dem Drehmoment-Schlüssel

Dies sieht auch Konrad Hipp aus Bernbeuren so, der Interims-Chef in der Schongauer Niederlassung von Reifen Feneberg. Nach dem Einsatz des "Schlagschraubers" sei das sofortige Nachziehen mit dem Drehmomentschlüssel wichtig. Außerdem würden Kunden, die am Auto Reifen wechseln lassen, in einem Aufkleber darauf hingewiesen, dass die Radmuttern 50 bis Kilometer "später" wieder (kostenlos) zu prüfen seien. Hipp empfiehlt, die Räder in einer Werkstätte zu wechseln. Ohne Wuchten und Wäsche koste dies 16,50 Euro für vier Reifen.

Dass er selbst mit 35 Stundenkilometer relativ langsam war, als er plötzlich mit der Karosserie auf der Straße "saß", war das Glück eines 39-jährigen Mannes aus Peiting. Der hatte sich erst vor kurzem in Murnau privat einen gebrauchten Wagen gekauft, war 70 Kilometer gefahren und verlor in Weilheim einen Reifen. Er hat Anzeige erstattet. Ob die Ursache des fahrlässigen Verhaltens eindeutig geklärt werden kann, ist noch offen. Unabhängig davon ist für den betroffenen Peitinger beim Thema Reifenwechsel klar: "Ich lass` es machen". Selbst greift er nicht zu Wagenheber und Kreuzschlüssel. Erst recht nicht nach dem aktuellen Unfall.

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