Schreiberin für die Rechte der Frauen

- Garmisch-Partenkirchen - Für die Rechte von Frauen, vor allem in der Nachkriegszeit, setzte sich die Journalistin Nora von Beroldingen-Kapp stets ein. Der Weltfrauentag, zu dem der 8. März bestimmt wurde und der seit 1921 der Verwirklichung der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen in der Gesellschaft gewidmet ist, ist Anlass an die Wahl-Garmisch-Partenkirchnerin zu erinnern. Von 1941 bis zu ihrem Tode lebte von Beroldingen-Kapp in der Marktgemeinde, hier wirkte sie als Redakteurin beim "Hochland-Boten", der später wieder Garmisch-Partenkirchner Tagblatt hieß, und hier gab sie von 1947 bis 1950 sogar eine Beilage mit dem Titel "Frauenspiegel" heraus.<BR>

Memoiren nur noch<P>als Manuskript<P> Ihr entfernter Verwandter, Jörg M. Bossert und seine Frau Heide - sie leben in Stuttgart - versuchen seit einigen Jahren das Leben dieser bemerkenswerten Frau, die am 18. Oktober 1953 in Partenkirchen verstarb und auch auf dem dortigen Friedhof ihre letzte Ruhe fand, aufzuarbeiten. "Leider sind ihre 1949 verfassten Memoiren nur als Manuskript erhalten, deshalb stehen uns noch viele Recherchen bevor", erklärt der Pensionär. Fündig wurde das Ehepaar betreffs ihrer Redaktionstätigkeit schon im hiesigen Marktarchiv.<P>Zum Journalismus kam die damals 36-Jährige, als sie mit ihrem Sohn Alexander 1925 nach Berlin übersiedelte. Ihr Vermögen hatte sie in der Inflationszeit verloren, die Ehe war gescheitert, Freunde hatten sie für drei Jahre in Partenkirchen beherbergt, aber dann musste sie selbst für ihren Unterhalt sorgen. In Berlin waren keine Geringeren als der berühmte Theaterkritiker Alfred Kerr, aber auch Theodor Wolf und Georg Bernhard ihre Lehrmeister. Durch ihre hauptberufliche Pressetätigkeit erlangte sie Kontakt zu Politikern aller Richtungen und wurde immer mehr zur Kriegsgegnerin, die sich für Völkerverständigung einsetzte. Als Journalistin gehörte sie von 1926 bis 1930 zur deutschen Delegation beim Völkerbund in Genf. Schon 1933 wird ihr jede journalistische Tätigkeit untersagt. 1941 floh die Familie wegen polizeilicher Repressalien, Nora von Beroldingen-Kapp hatte inzwischen wieder geheiratet, ihr Mann hatte ebenfalls Berufsverbot, von Berlin zurück nach Partenkirchen.<P>Erst nach Kriegsende konnte die Journalistin wieder veröffentlichen. Die "Neue Zeit" und viele andere Zeitungen druckten ihre Artikel, in denen es immer mehr um die Rechte der Frauen ging. Auch politisch und gesellschaftlich wurde sie in Nach Veranstaltung<P>zusammengeschlagen<P> verschiedenen Gremien aktiv, gehörte zu den regionalen Gründerinnen des süddeutschen Frauenarbeitskreises, zum Deutsch-amerikanischen Frauenclub und zum Kreisverband der Europa-Union. Mit Artikeln wie "Über den weiblichen Widerstand im Dritten Reich" oder von ihr organisierten Vorträgen, für die sie wiederholt den Sohn des früheren deutschen Außenministers, Dr. Wolfgang Stresemann, einlud, machte sie sich nicht nur Freunde. Am 29. Juli 1953 wurde sie nach einer Veranstaltung vor ihrem Haus zusammengeschlagen. "Eine politische Demonstration gegen den Geist Stresemannscher Verständigungsbemühungen", so ihr Kommentar.Margot Schäfer<P>Wer mehr über Nora von Beroldingen-Kapp und ihre Partenkirchner Zeit weiß, sollte sich bei Marktarchivar Franz Wörndle (Tel. 0 88 21/910-101) melden.<P>

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