Schüler als "Spielball" der Gemeinden

- VON BARBARA SCHLOTTERER Rottenbuch/Böbing/Peiting - Hoch im Kurs stehen derzeit die Schüler der Gemeinde Rottenbuch. Als Züngelchen an der Waage in der Diskussion um die Schließung der Teilhauptschule in Böbing reißt sich die Gemeinde Böbing um die Schüler. In Peiting möchte man es - rein aus taktischen Gründen und zur Unterstützung der Teilhauptschule - verhindern, dass die Rottenbucher Fünft- und Sechstklässler an die Hauptschule der Marktgemeinde verlagert werden. Mittendrin: Die Rottenbucher selbst, die bislang von keinem so recht gefragt wurden. "Wir sind zum Spielball in der ganzen Sache geworden", sagt Rottenbuchs Gemeindechef Andreas Keller im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten. Warum auch die Rottenbucher den Schulwechsel nach Peiting ablehnen, lesen Sie im Interview.<BR>

Der Peitinger Gemeinderat hat sich aus taktischen Gründen gegen eine Aufnahme der Rottenbucher Schüler bei einer Auflösung der Böbinger Teilhauptschule entschieden. Fühlen Sie sich unerwünscht?<P>Andreas Keller: Ich weiß, dass Peiting uns aufnehmen kann. Das habe ich in einigen Vorgesprächen mit der Rektorin Ilse Maier geklärt. Allerdings habe ich inzwischen das Gefühl, dass wir zum Spielball in der ganzen Sache geworden sind: Böbing reißt sich um uns, Peiting will uns nicht. Da bin ich schon ein bisschen ins Zweifeln gekommen. Wichtig ist, dass auch Rottenbuch eine eigene Meinung hat.<P><P>Und die wäre?<P>Andreas Keller: Wir haben im Gemeinderat darüber debattiert und waren erstaunt, wie sehr Rottenbuch doch an Böbing hängt. Die einhellige Meinung war, dass man es so belassen soll, wie es jetzt ist. Warum sollte man es jetzt anders machen? Es geht um das Wohl der Kinder. Und darauf wird überhaupt nicht eingegangen. Wenn man mal die Schönberger Schüler nimmt: Es ist schon ein Unterschied ob ich den kurzen Schulweg nach Böbing habe oder bis nach Peiting fahren muss - und das zweimal am Tag, hin und zurück. Das Ganze ist ja außerdem auch mit Fahrtkosten verbunden.<P><P>Die die Gemeinde Rottenbuch trägt.<P>Andreas Keller: Ja, da zahlen wir drauf und auch beim Schulgeld. Zwar zahlen wir das auch an die Böbinger. Aber das kommt uns günstiger als das Schulgeld, das wir für die Rottenbucher Schüler berappen müssen, die in Peiting zur Schule gehen.<P><P>Ist es dann in erster Linie der finanzielle Aspekt, der den Rottenbucher Gemeinderat beschäftigt hat?<P>Andreas Keller: Nein, weil viel schlimmer ist, was mit der Neuregelung alles kaputt gehen würde. Da gibt es einfach einige Punkte, die gerne beiseite geschoben werden. Zum Beispiel, dass Peiting einfach eine weniger ländlich strukturierte Schule ist. In Böbing werden die Rottenbucher Schüler halt noch von ihrem Pfarrer in Religion unterrichtet. Der hat seine Schäfchen in der Hand. Einer aus Rottenbuch, der in Böbing in die Schule geht, der ist trotzdem noch daheim und driftet nicht so ab.<P><P>Was verstehen sie unter abdriften?<P>Andreas Keller: Die Rottenbucher Kinder wären einfach früher und länger weg. Da leidet auch das Vereinswesen darunter. Die ganze Struktur verändert sich. Die Kinder sind einfach nicht mehr so viel im eigenen Ort. Am liebsten wäre es uns, die Kinder wären auch in der fünften und sechsten Klasse in Rottenbuch in der Schule. Dann hätten wir später viel weniger gesellschaftliche Probleme.<P><P>Welche gesellschaftlichen Probleme?<P>Andreas Keller: Es tut den Kindern gut, wenn sie länger ins Dorfleben integriert sind. Sie wachsen anders auf, als wenn sie dauernd herumgekarrt werden. Nehmen wir doch nur mal den Unterricht in Heimatkunde. Von der ersten bis zur vierten Klasse kann man da nicht viel machen und später in der fünften und sechsten Klasse sind die Kinder dann weg.<P><P>Werden denn in Böbing Rottenbucher Themen in Heimat- und Sachkunde behandelt?<P>Andreas Keller: Je weiter die Schüler weg sind, desto schlimmer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schüler in Peiting etwas über Rottenbuch lernen. In Böbing geht das schon eher.<P><P>Darum das "Nein" auch von Rottenbuch im Anhörungsverfahren der Gemeinden?<P>Andreas Keller: Es geht bei der ganzen Sache rein ums Geld, das sich der Staat spart, und wir legen`s drauf. Dazu sagen wir "Nein". Was zu wenig berücksichtigt wird, das ist das Wohl der Kinder. Wir wollen nicht einfach zuschauen - warum aus freiem Willen nach Peiting gehen, wenn`s in Böbing so gut funktioniert?<P><P>Was funktioniert in Böbing gut?<P>Andreas Keller: Einfach alles. Und die Klassenstärken stimmen mit 25 Schülern ja auch. Jeder hätte Verständnis dafür, wenn man so viele Schüler nicht mehr zusammenbringt und deshalb sagt, man verlagert nach Peiting. Aber warum zum jetzigen Zeitpunkt alles übers Knie brechen? Wir, also Rottenbuch und Böbing, sind eine Verwaltungsgemeinschaft. Wir hängen zusammen - auch schulmäßig.<P><P>Glauben Sie, dass der Protest der Gemeinden von Erfolg gekrönt sein wird?<P>Andreas Keller: Ich hoffe zumindest, dass die Politiker zum Nachdenken kommen, ob es richtig ist, wie hier mit der Schule und vor allem auch den Schülern verfahren wird. Die Schulstruktur wird mutwillig zerstört, ohne dass es einen für uns nachvollziehbaren Grund gibt.<P>

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