Wer ist schuld am Muschelsterben ?

- Experten uneinig über Ursachen

Tegernsee (gw) - Dass die einst im Überfluss vorhandenen Großmuschel-Bestände im Tegernsee inzwischen auf ein Minimum geschrumpft sind, ist hinlänglich bewiesen. Erst kürzlich demonstrierten Taucher, die derzeit im Auftrag des Bezirks Oberbayern die wenigen noch lebenden Muscheln kartieren, dass sie bei ihren Untersuchungen zumeist nur auf leere Schalen stoßen (wir berichteten). Doch was die Ursachen für das Sterben der stummen Seebewohner betrifft, scheiden sich jetzt offenbar die (Experten-)Geister.

Landesamt widerspricht Aussagen des Bezirks

So widersprach gestern das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft Aussagen des Bezirks Oberbayern, wonach die gute Wasserqualität und damit verbunden die Nährstoffarmut für das Muschelsterben im Tegernsee verantwortlich sind. Vielmehr führt Albert Göttle, Präsident des Landesamtes, den erschreckenden Rückgang auf einen Parasiten zurück, dem die Fachleute des Bezirks lediglich eine Teilschuld einräumen. Göttle: "Viele Teichmuscheln sind verhungert, weil sie in Nahrungskonkurrenz zur Dreikantmuschel stehen, die sich stark vermehrt hat. Sie hat der Teichmuschel die Nahrung quasi vor der Nase weg filtriert."

Die Nährstoffentlastung in den großen Seen, so heißt es in der Presseinformation des Landesamtes, sei eindeutig keine unmittelbare Ursache für das Sterben. Die Sauberkeit sei vielmehr "eine besondere Erfolgsgeschichte im bayerischen Gewässerschutz". Besonders die dauerhafte Fernhaltung von Abwasser aus dem Seenumland durch Ringkanäle habe entscheidend dazu beigetragen. "Diese Anstrengungen haben sich ausgezahlt, Verschlechterungen der Gewässerqualität konnten gestoppt und der Trend umgekehrt werden", lobt das Amt den guten Zustand der Seen. Außerdem betont es, dass der Rückgang der Großmuscheln im Tegernsee seit vielen Jahren bekannt und auch bei anderen Seen beobachtet worden sei. Am Starnberger See etwa sei dazu Anfang der 90er Jahre eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt worden. Auch der Bezirk, so heißt es seitens des Landesamtes, sei an diesem Projekt beteiligt gewesen, "dessen Ergebnisse bereits vor fast einem Jahr veröffentlicht wurden".

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