Schwarzen Sheriffs drohen mehrere Jahre Haft

- Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei ehemalige "Schwarze Sheriffs" des Zivilen Sicherheitsdienstes ZSD erhoben. Der 28-jährige Andre P. muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen verantworten, der 26-jährige Fabian K. wegen gefährlicher Körperverletzung in Mittäterschaft in einem Fall. Die beiden sollen drei Obdachlose im Stachus-Untergeschoss misshandelt haben. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen.<BR>

Frust, Langeweile und die Lust an Bestrafung gab Andre P. als Motiv an. Am 16. Februar dieses Jahres zog er den 58-jährigen Günter C. aus einer Toiletten-Kabine und schlug ihm mit seinem 60 Zentimeter langen Alu-Schlagstock sieben Mal gegen Schenkel, Arme und Oberkörper. "Er hat ihn regelrecht aus der Toilette geprügelt", sagte Staatsanwalt Hannes Hedke.<P>Nur zwölf Tage später juckte es P. erneut in den Fäusten. Der 52-jährige Willi B. saß auf einer der Stachus-Toiletten. Andre P. öffnete die Klotür mit seinem Generalschlüssel und trat den Obdachlosen fünf bis sechs Mal mit seinen schweren Stiefeln in den Magen. Dann beförderte er ihn mit einem Tritt in den Rücken quer durch den Raum. Willi B. knallte mit dem Kopf gegen einen Türkante. Die Blutlache soll P. verächtlich mit seinem Stiefel verwischt haben, ehe er ging.<P>Der heftigste Fall datiert vom 6. Mai. Und diesmal war auch Fabian K. mit von der Partie. Die beiden führten die 41-jährige Obdachlose Sylvia K. in ein Damenklo. Dort musste sie sich über ein Waschbecken beugen. Während K. sie festhielt, schnitt P. ihr mit seinem Taschenmesser die Haare ab und dann bis zur Schädeldecke in den Hinterkopf. "Die Wunde war zehn Zentimeter lang", so Hedke. Die Sheriffs flogen auf, weil sich die 41-Jährige zur Polizei schleppte und um Hilfe bat.<P>Zwei weitere ZSD-Sheriffs wurden wegen unterlassener Hilfeleistung bereits zu Geldstrafen verurteilt. Sie waren im Fall Willi B. mit auf Streife und ließen Andre P. gewähren.<P>Wie Staatsanwalt Hannes Hedke sagte, ist das Aussageverhalten bei Obdachlosen sehr schlecht. "Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn es noch mehr Übergriffe gibt, von denen wir nichts wissen."<P>Wie berichtet, hat die Stadt wegen der Übergriffe den Vertrag mit der Firma ZSD für den Stachus gekündigt.<P>Wolfgang Hauskrecht<P></P>

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