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Scientologen auf Schülerfang

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- München - Nachhilfe-Institute erleben zurzeit unter anderem wegen des achtjährigen Gymnasiums einen Boom. Immer mehr Mitglieder der Scientology-Organisation versuchen, diese Situation auszunutzen und bieten auf dem Bildungssektor ihre Dienste an. Bayerns Innenminister Günther Beckstein hat Eltern davor gewarnt, Kinder zur Nachhilfe in die Hände von Scientologen zu geben. Sie sollten sich genau erkundigen, nach welcher Methode gelehrt wird.

"Hauptsache ist doch, dass ich einem Kind helfen kann und sich die Noten verbessern", erklärt Petra Kronburger. Sie ist die Leiterin von Kronburgers Nachhilfe- und Lernstudio und gibt ganz offen zu, nach der ihrer Ansicht nach einzig wahren Methode des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard zu unterrichten. "Natürlich würde ich den Eltern auch erzählen, dass ich Hubbards Lehre anwende - aber die fragen fast nie."

Kronburger ist eine von etwa zehn Nachhilfelehrern in und um München, die nach Hubbard unterrichten. "Die Scientologen haben seit einiger Zeit scheinbar einen besonderen Focus auf Schüler", warnt Helga Lerchenmüller vom Stuttgarter Verein Aktion Bildungsinformation (ABI). In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der Institute in Deutschland, die Scientology nahe stehen, von zehn auf knapp 40 fast vervierfacht. Noch keine Anzahl, "bei der die Alarmglocken schrillen müssten", meint Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und Leiter eines Gymnasiums in Deggendorf. Dennoch sei diese Entwicklung Besorgnis erregend. Gemeinsam mit dem Deutschen Lehrerverband und dem Kultusministerium will der Philologenverband deshalb Eltern und Lehrer verstärkt aufklären. Denn nicht immer kann man auf den ersten Blick erkennen, hinter welcher Einrichtung sich Scientology verbirgt. "Aufhorchen muss man immer bei Applied Scholastics oder Ziel Concept", sagt Lerchenmüller. Verstärkt gingen die Lehrer aber auch unter ihrem Privatnamen auf Schülerfang.

Eine davon ist Steffi R. (Name geändert). Sie ist nicht mehr bereit, etwas zu ihrer Tätigkeit als Nachhilfelehrerin zu sagen - zu viele negative Erfahrungen mit der Presse. Sehr offen über ihre Methode spricht dagegen Kronburger. Sie lehre beispielsweise die Studiertechnologie nach Hubbard, bei der Kinder nicht verstandene Wörter im Wörterbuch nachschlagen. Experten warnen, dass die Lehrer bei dieser Technik darauf abzielen, durch eine Umdefinition von Bedeutungen das Verständnis und die Wahrnehmung der Realität zu verändern. Kronburger ist hingegen davon überzeugt, nur durch diese Methode würden Schüler den Lernstoff verstehen. "Da die Schulen das nicht hinkriegen, sind wir gefordert."

"Es muss niemand Angst haben, dass Kinder in den Instituten heimlich zu Scientologen gemacht werden", erklärt Meidinger. Fast immer würde eine Zwei-Stufen-Strategie angewandt. "Zuerst versuchen die Lehrer, durch bessere Noten Vertrauen zu gewinnen." Dann findet ein Elternabend statt, bei dem mehr Lernbereitschaft und Selbstbewusstsein versprochen werden. Meidinger: "Wenn es so weit ist, ist Vorsicht geboten."

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