Sein Gewissen kostete Markus Jobst das Leben

- Markus Jobst hätte den Räuber in den Rücken schießen können. Es wäre Notwehr gewesen. Aber der 21-Jährige konnte es nicht. Eine Gewissensentscheidung, die ihn das Leben kostete. Zwei Kugeln trafen ihn. Eine im Knie, die andere raste durch den Oberarm, quer durch den Körper und zerfetzte seine Lunge. Am Samstag jährt sich der Mord an dem Münchner Polizeimeister zum zehnten Mal.<BR>

22. Januar 1995: Markus Jobst hat Sonntagsdienst. Um 20.30 Uhr kommt die Meldung: Ein bewaffneter Mann hat die Aral-Tankstelle an der Ungererstraße überfallen. Jobst und seine 24-jährige Kollegin Margit Haber sollen am Bonner Platz suchen. Und tatsächlich. Am U-Bahnsteig hinter einer Säule sieht die Polizeimeisterin einen Mann. Er versteckt sich. Margit Haber zieht die Waffe. Aber der 22-jährige Bosnier Boro Matic schießt sofort. Eine Kugel trifft die Polizistin im Bein. Markus Jobst steht in dem Moment hinter Matic, könnte schießen. Aber er zögert. Boro Matic hat keine Skrupel. Zwei Mal trifft er den jungen Polizisten und flüchtet. Markus Jobst stirbt wenig später im Krankenhaus. Margit Haber hat mehr Glück. Passanten bewahren sie vor dem Verbluten.<P>Fünf Tage später wird Boro Matic in Nürnberg gefasst. Im März 1996 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. "Sie haben auf hinterhältige und gemeine Art ausgenutzt, dass der Beamte sie geschont hat, dass er Skrupel hatte, sie von hinten zu erschießen", sagte Richter Jürgen Hanreich bei der Urteilsbegründung. "Dieses Recht hätte er gehabt."<P>Zehn Jahre ist das jetzt her. "Aber es gibt immer noch offene Wunden", sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger, der die Familie damals als Polizeipsychologe betreute. "Die Familie hält noch Kontakt zu uns." Vor allem Jobsts damals 14-jährige Schwester Tanja litt schwer. Heute ist sie Arzthelferin.<P>Auch die Polizei hat ihren Kollegen nicht vergessen. Gestern gedachte sie seiner bei einem Gottesdienst im Dom. Am Samstag wird eine Delegation der ersten Einsatzhundertschaft, bei der der 21-Jährige Dienst tat, ein Bukett am Grab in Holzheim am Forst (Kreis Regensburg) ablegen. So wie jedes Jahr. In der Dienststelle an der Freiligrathstraße erinnert eine Gedenktafel an ihn.<P>Markus Jobst ist der einzige Münchner Polizist, der seit den Olympischen Spielen 1972 im Einsatz getötet wurde. Damals starb ein Beamter im Kugelhagel der Terroristen.<P>Margit Haber leistet heute bei der Kriminalpolizei-Inspektion Nord ihren Dienst.<P>Wolfgang Hauskrecht<P>

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