Sektenbeauftragter siegt gegen "Universelles Leben"

- München/Würzburg - Wolfgang Behnk ist ein Mann der klaren Worte, der auch schon mal zu drastischen Formulierungen greift. Seit er 1991 Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern wurde, machte er aus seiner Meinung zu der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" e. V. (UL) mit Sitz in Würzburg keinen Hehl - und wurde damit zum erklärten Lieblingsfeind der selbst ernannten Urchristen. Aus dem jahrelangen Rechtsstreit ist Behnk jetzt als Sieger hervorgegangen.

"Totalitäre Organisation", "gemeingefährliche Heilmethoden" in der Naturheilklinik des Universellen Lebens, "Neigung zum Massenselbstmord", "Gefährdung von Demokratie und Menschenrechten" - nur ein Auszug aus der langen Liste von Schmähungen, denen sich die "Christusfreunde" ausgesetzt fühlten. Unterlassungsklagen des UL wurde regelmäßig abgeschmettert. Aus Sicht der Gerichte waren Behnks Kommentare "zulässige Meinungsäußerungen".

Damit wollte sich der Verein nicht abfinden und hatte daher zum Rundumschlag ausgeholt. Gestützt auf eine "Mosaiktheorie" wurde die Kirche erneut verklagt - diesmal wegen der Summe aller bisherigen Äußerungen Behnks in ihrer Gesamtwirkung. "Die Kampagne läuft inzwischen seit zehn Jahren und hat zur totalen Ausgrenzung dieser Gemeinschaft geführt", sagt UL-Anwalt Christian Sailer. Bekennenden Gläubigen seien deshalb Miet- sowie Arbeitsverträge gekündigt oder auch landwirtschaftliche Fördermittel gesperrt worden, berichtet Sailer, der dafür "symbolische Wiedergutmachung" in Höhe von mindestens 50 000 Euro forderte.

Doch wie schon das Landgericht folgte auch das Oberlandesgericht München dieser Theorie nicht und lehnte die Klage ab. Eine juristische Person wie das Universelle Leben habe nur ein eingeschränktes Persönlichkeitsrecht, erklärte der Vorsitzende Richter Walter Seitz. "Genugtuung ist aber etwas Menschliches." Sailer will nun die Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe erkämpfen.

Sektenbeauftragter Behnk fühlt sich dagegen bestätigt. "Es ist mein Job, solche Gemeinschaften kritisch zu hinterfragen und Wertungen auszusprechen."

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