Seniorin erstickt im Altenheim

- Am vergangenen Mittwoch ist es in den Seniorenappartements am Isarhochufer zu einem tragischen Todesfall gekommen. Nach Informationen unserer Zeitung erstickte die 90-jährige Johanna S., nachdem sie mit einem Gurt in ihrem Tagesstuhl fixiert worden war. Die Seniorin verrutschte; die Wolldecke, die dabei über ihr Gesicht glitt, nahm der dementen Frau die Luft zum Atmen. Brisant ist der Fall, weil für die Fixierung kein richterlicher Beschluss vorlag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der zuständigen Pflegedienstmitarbeiterin drohen Konsequenzen.

Die pflegebedürftige Johanna S., die seit 1978 in einem Appartement im Heim an der Reichenhaller Straße in Giesing lebte, war am 4. Januar gegen Mittag in ihrem Stuhl fixiert worden. Irgendwann im Laufe von zwei Stunden, in denen niemand nach der verwirrten Frau sah, rutschte sie aus noch ungeklärter Ursache trotz des Beckengurts nach unten. Die Decke, die über ihren Beinen lag, schob sich dabei über ihr Gesicht. Als der ambulante Pflegedienst Johanna S. gegen 14 Uhr fand, war sie bereits tot.

Heimleiter Manfred Kinsmüller ist tief betroffen. "Es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen", sagt er. Bereits im November sei der Antrag auf die Verwendung eines Bettgitters und eines Fixierungsgurtes beim Vormundschaftsgericht gestellt worden. Der richterliche Beschluss habe aber noch nicht vorgelegen. "Wir stecken da in einem Dilemma", erklärt er. Auch die Alternative - ein absenkbares Pflegebett für Frau S. - hätte erst von der Krankenkasse bewilligt werden müssen. "Wir stecken da zwischen den Mühlen der Bürokratie fest", sagt Kinsmüller. Seine Mitarbeiterin habe "letzlich keine andere Möglichkeit als die Fixierung" gesehen.

Rechtlich gesehen sind die Grenzen für Pflegedienstmitarbeiter jedoch eng gesteckt: Eine Fixierung von Pflegebedürftigen mit Gurten gilt als freiheitsentziehende Maßnahme. Sie darf nur dann vorgenommen werden, wenn der Betroffene einwilligt. Ist er - wie die 90-jährige Johanna S. - dazu nicht in der Lage, muss erst die richterliche Genehmigung vorliegen.

"Unsere Mitarbeiterin ist nervlich am Ende"

Nun muss die Staatsanwaltschaft klären, wie genau Johanna S. zu Tode kam. Heimleiter Kinsmüller will die Ergebnisse abwarten, bevor er über Konsequenzen für seine Mitarbeiterin spricht: "Sie ist nervlich am Ende. Wir stellen sie jetzt frei und warten ab, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt."

Weil sich Fälle des unsachgemäßen Umgangs mit Fixierungen und Bettgittern häuften, hat die Stadt 2001 eine Liste von "Empfehlungen zum Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen" an alle Heim- und Pflegedienstleitungen herausgegeben. "In Zweifelsfällen", heißt es darin, "kann die städtische Betreuungsstelle beim Sozialreferat eingeschaltet werden."

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