Sozialhilfe: Stadt steht noch gut da

- Empfängerzahl gestiegen, aber Unterstützungsdichte relativ niedrig

VON DORIS RICHTER Die Zahl der Sozialhilfeempfänger in der Landeshauptstadt ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr 2001 um etwa sieben Prozent gestiegen. Rund 46 000 Personen bekommen von der Stadt derzeit Hilfe zum Lebensunterhalt. Trotzdem steht München damit noch gut da. Das belegt der jüngste Vergleich mit 15 anderen deutschen Großstädten aus dem Jahr 2001, den Sozialreferent Friedrich Graffe (SPD) jetzt dem Stadtrat präsentierte.

Demnach hat München nach Dresden die niedrigste Sozialhilfedichte: 3,5 Prozent der Bevölkerung bekommen Hilfe zum Lebensunterhalt. Der Bundesdurchschnitt liegt fast doppelt so hoch bei 6 Prozent. Spitzenreiter ist Bremen (8,7 Prozent), gefolgt von Berlin (7,2 Prozent) und Hannover (7 Prozent). Auch Städte wie Stuttgart (3,9 Prozent) und Frankfurt (5,8 Prozent) lässt München hinter sich.

Positiver Spitzenreiter der Statistik ist die Landeshauptstadt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Etwa sechs Prozent von ihnen sind auf Sozialhilfe angewiesen, bundesweit sind es mehr als zwölf Prozent. Zurückzuführen ist dies nach Aussage von Michael Baab, Leiter des Sozialamtes, unter anderem auf die Erfolge bei der Arbeitsvermittlung für junge Erwachsene.

Sehr gering ist auch der Anteil der erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger (2,9 Prozent aller Einwohner) verglichen mit Städten wie Berlin (6,6 Prozent), Hamburg (5 Prozent) oder Nürnberg (5 Prozent).

Mit 587 Euro Sozialhilfe im Monat pro unterstütztem Haushalt liegt München trotz hoher Mietkosten nur knapp über dem Durchschnitt (564 Euro). Laut Baab ist auch positiv, dass 57 Prozent der Hilfsempfänger die Sozialhilfe weniger als zwei Jahre in Anspruch nehmen. Bundesweit sind es im Schnitt 42 Prozent.

Trotz der vergleichsweise guten Position Münchens, warnte Stadträtin Elisabeth Schosser (CSU) vor Optimismus. Angesichts der wirtschaftlich desolaten Lage müsse man mit einer "Welle rechnen, die auf uns zu kommt, deren Ausmaß wir noch nicht ermessen können".

Ihr Parteifreund Christian Baretti regte unterdessen an, die Höhe der Regelsätze der Sozialhilfe zu diskutieren. "Muss es sein, dass wir die höchsten Sätze Deutschlands zahlen?" fragte Baretti. Man müsse München auch mit dem Umland vergleichen, wo die Regelsätze deutlich niedriger seien. "Und das obwohl die Lebenshaltungskosten außer der Miete in München auch nicht höher sind", sagte Baretti.

Das wollte Brigitte Meier (SPD) so nicht stehen lassen. München sei erwiesenermaßen die teuerste Stadt Deutschlands, auch was die Lebensmittel betreffe. "Und ein Sozialhilfeempfänger muss sich auch einmal eine Semmel vom Bäcker statt aus dem billigen Supermarkt leisten können."

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