Saisonarbeiter bei der Spargelernte.
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Saisonarbeiter bei der Spargelernte: Auch heuer werden in Bayern wieder viele ausländische Erntehelfer erwartet.

Sorge um Corona-Ausbrüche

Spargelsaison steht bevor: Wie steht‘s in der Pandemie um die Erntehelfer? Betriebe treffen Vorkehrungen

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Zum Start der Spargelzeit steigt auf Bayerns Höfen wieder der Bedarf an Saisonarbeitern. Spargelstecher und Gurkenpflücker dürfen trotz Pandemie regulär nach Deutschland einreisen. Doch die Angst vor Corona-Ausbrüchen wie im vergangenen Jahr schwingt immer mit.

München - Seit Mitte Februar hat Manfred Wolf wieder Unterstützung auf dem Hof. Sein Familienbetrieb in Pfaffenhofen an der Glonn im Kreis Dachau hat sich auf den Anbau von Spargel, Erdbeeren und Äpfeln spezialisiert. Und weil dafür die eigenen Hände nicht ausreichen, braucht er in einigen Monaten des Jahres tatkräftige Hilfe von Saisonarbeitern. Aktuell kümmern sich sechs Arbeiter aus Polen und Rumänien um die Folien auf den Spargeldämmen oder das Unkraut bei den Erdbeerpflanzen. Etwa ab Ostern - je nach Wetter - werden zur Spargelernte weitere Helfer dazukommen.

Doch wie schon im vergangenen Jahr schwingt auch heuer ein ungutes Gefühl mit, wenn auf dem Hof wieder mehr los ist. Ein Corona*-Ausbruch würde nicht nur die Gesundheit der Arbeiter und der eigenen Familie gefährden, die Landwirte drohen auch zum Buhmann zu werden, wenn durch Infektionen auf ihrem Betrieb die Landkreis-Inzidenz nach oben getrieben wird. „Da ist keiner scharf drauf“, sagt Wolf.

Spargelernte in der Corona-Krise: Wegen Pandemie könnten ausländische Arbeiter die Anreise scheuen

Rund 40.000 Saisonarbeitskräfte sind im Schnitt pro Jahr auf Bayerns landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt. Allerdings geht das bayerische Agrarministerium davon aus, dass es heuer etwas weniger sein werden. Weil einige Landwirte wegen der Pandemie weniger Kulturen angebaut haben, bei denen sie auf Erntehelfer angewiesen sind. Und weil die zumeist ausländischen Arbeiter wegen der Pandemie verunsichert sind - und deshalb gar nicht erst anreisen.

Als im ersten Lockdown* die Grenzen dicht waren, wurden die Arbeiter per Ausnahmegenehmigung aus Osteuropa eingeflogen, dazu krempelten einheimische Studenten oder Kurzarbeiter die Ärmel hoch. Heuer ist die Lage noch etwas entspannter: Aus Risikogebieten wie Polen oder Rumänien dürfen die Erntehelfer derzeit regulär einreisen. Sie müssen einen negativen Test mitbringen oder sich hier testen lassen. Für sie gilt in den ersten fünf Tagen eine „Arbeitsquarantäne“, in der sie nur isoliert in fester Gruppe von der Unterkunft zum Arbeitsort pendeln dürfen. Danach können sie sich freitesten. Nur aus Mutationsgebieten gilt eine zweiwöchige Quarantäne-Pflicht.

Spargelernte in der Corona-Krise: Zusätzliche Wohncontainer und Fahrzeuge für die Arbeiter

Um einen Corona-Ausbruch auf dem Hof zu verhindern hat Manfred Wolf zusätzliche Wohncontainer und Fahrzeuge angeschafft, um Unterbringung und Transport seiner Mitarbeiter zu entzerren. Dazu hat er eine tägliche Verpflegung organisiert, weil die Erntehelfer in den ersten Tagen ja nicht selbst zum Supermarkt gehen dürfen. „Aber natürlich können und wollen wir die Leute auch nicht einsperren“, betont Wolf. „Da bleibt uns nur der Appell, Kontakte so weit es geht zu vermeiden.“

Im vergangenen Frühjahr machte etwa ein großer Gemüsebetrieb im niederbayerischen Mamming Schlagzeilen, als sich dort hunderte Erntehelfer sowie Mitarbeiter einer Konservenfabrik infizierten. Im Bayerischen Landwirtschaftsministerium ist man zuversichtlich, dass die Betriebe heuer besser vorbereitet sind. Mit Flyern und Postern auf Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch sollen die Arbeiter für die Hygieneregeln sensibilisiert werden. Kontrollteams sollen zudem die Situation auf den Betrieben im Auge behalten.

Spargelernte in der Corona-Krise: Vergangenes Jahr viele Beschwerden über die Hygienebedingungen

Ob sich die Situation für die Erntehelfer selbst aber wirklich verbessert hat, werde man erst in einigen Wochen sehen, sagt Oskar Brabanski von der DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“. Vergangenes Jahr erreichten ihn eine ganze Reihe von Beschwerden über mangelhafte Hygienebedingungen auf den Betrieben - neben dem Ärger über Tricksereien beim Mindestlohn oder der Arbeitszeiterfassung, die die Gewerkschaft schon lange moniert. Er fürchtet, dass durch die weitgehende Isolation der Saisonarbeiter die Abhängigkeit vom Betriebsleiter noch verstärkt wird.

Problematisch sieht er außerdem die Initiative, die kurzfristige sozialversicherungsfreie Beschäftigungsdauer für Erntehelfer erneut von 70 auf 115 Tage zu verlängern. Auch Bayerns Agrarministerium unterstützt den Vorstoß - mit der Begründung, wenn weniger Fluktuation bei den Arbeitskräften herrsche, sinke auch das Infektionsrisiko. Brabanski aber sagt: „Es wäre nur fair, die Arbeiter dann für ein halbes Jahr befristet einzustellen, damit sie etwa auch in die Rentenkasse einbezahlen. Dann muss der Spargel eben ein paar Cent mehr kosten.“ *merkur.de ist ein Angebt von IPPEN.MEDIA

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