Spitze Nase, spitze Zunge

- Sticheleien beim Literarischen Frühschoppen

Erding (brü) - Ein schillerndes Kaleidoskop aus Literatur, Musik und Kabarett haben Walter Koppe, Thom Delißen und Wolfgang Hofer den Besuchern des Literarischen Frühschoppens gestern auf dem Sinnflut-Festival geboten. In fliegendem Wechsel traten die Akteure auf, angekündigt durch die Veranstalter, die Seitenhiebe auf Kommunalpolitik und lokale Themen mit einflochten.

So zum Beispiel das fiktive Warten auf Elfriede Jellinek, die aber in der ständig verspäteten S-Bahn hängen bleibt und für die - ganz überraschend - notgedrungen Martina Ottman einspringt. Sie war eines der Highlights im bunten Programm. "Wegen meiner spitzen Nase werde ich oft mit der Jellinek verwechselt", führt sie sich ein. Herrlich, wie sie die Probleme der alternden Frauen aufs Korn nimmt, empfiehlt ihnen, einfach "mehr Frau als Hirn" zu sein, zeigt ihnen, wie man sich verführerisch in Szene setzt und verrenkt sich dabei prompt das Kreuz.

Die "Analogie zum Leben" von David Molnar trug in Vertretung Florian Kleeblatt vor, gut gemeint, doch etwas zu dramatisch betont war die Geschichte von einem, der eigentlich nur sein Sparschwein schlachtet, um dann in Aggressionswahn zu verfallen und alles um sich herum zu zerstören, was ihm in den Weg kommt.

Nachdenkliche Stimmung verbreitet Brian Burger mit seinen Texten. Mit Akribie wählt er Worte und Bilder, doch aus allen spricht eine tiefe Einsamkeit, eine verletzte Seele, eine große Traurigkeit. Anders Monika Kleeblatt: Sie ist nachdenklich, tiefsinnig, aber nicht so destruktiv, nicht so resigniert. Aufmerksam geht sie durch die Welt und beschreibt treffend mit Worten und Metaphern.

Erstaunliche Stimmgewalt bewies die blutjunge Alice Bzoch. Sie gehört zur Gruppe um Michael Röhrl, der an der Herzog-Tassilo-Realschule unterrichtet und mit seinen Schülerinnen und Schülern Lieder und kleine Stücke über das "Liebesschleimlein" zu Gehör brachte, das vielfältigste Beschwerden verursacht, ist man erst mal infiziert. Ivonne Viehweger überzeugte dabei mit ihrem Gesang.

Peter Hackl mit seinem sensiblen virtuosen Gitarrenspiel ist krasser Gegensatz zu Martin Pollock, der ein sarkastisches, ja zynisches Gesellschaftsbild zeichnet ("Statt denken dümpeln, statt Jude Asylant, statt Reden Raketen").

Eng gesteckt war der Zeitrahmen. So konnten die einzelnen Mitwirkenden nur kurze Sequenzen präsentieren. Betti Simmerl etwa, die in bayerischer Mundart ein Wirtshaus in Gantenham beschrieb oder Sibylle Böhmer Rawas, die mit einer guten Portion Selbstironie die Geschichte über ein misslungenes Blind Date erzählte. Eine Dia-Show aus guten alten Picnic-Zeiten musste entfallen, weil es im Comod-Zelt zu hell war. Am kommenden Sonntag ab elf Uhr ist ein weiterer Frühschoppen mit anderen Akteuren vorgesehen.

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