Auf den Spuren der ersten Landvermesser

- Historische Platte ausgegraben

Dorfen (vs) - Einen sensationellen Fund haben Mitarbeiter des Vermessungsamtes Erding gemacht: In Hausmehring stießen sie 80 Zentimeter unter der Erde auf eine Sicherungsmarke von Vermessungsarbeiten anno 1863. Nach der Reinigung der aus Ton gefertigten und glasierten Platte kam eine Inschrift zutage, die auf die sogenannte Renovationsmessung hinweist: "Königliche Steuer Kataster Triangulierungs Comission 1853."

Dieser Fund schlage einen Bogen von den heutigen "High-Tech-Vermessern" zu den Gründervätern der Bayerischen Vermessung, schreibt das Vermessungsamt Erding in einer Mitteilung. Bereits um 1800 hatte Napoleon die Erstellung einer topografischen Karte für ganz Bayern gefordert, um seine militärischen Unternehmungen besser planen zu können. So beauftragte er den französischen Oberst Bonne mit der Vermessung. Bayerische Geometer sollten im Auftrag von Kurfürst Max IV. Joseph von Bayern diese Arbeit fortführen. Doch sie entdeckten bald, dass unter Oberst Bonne zahlreiche Festpunkte im Boden gar nicht oder nur schlecht versichert worden waren. Ebenso tauchten oft Fehler auf.

Also entschloss man sich in Oberbayern für einen Neubeginn mit der sogenannten Renovationsmessung (1851 bis 1863). Mit den Arbeiten wurde der erfahrene Trigonometer Jakob Rathmayer betraut. Mit Beobachtungspunkten, die unterirdisch dauerhaft versichert waren, erfassten er und seine Mitarbeiter bayernweit insgesamt 21 Millionen Grundstücke in 20 760 Flurkarten.

Auf einen dieser unterirdischen Punkte stießen nun die Erdinger Vermesser in Hausmehring. Nach dem Studium alter Karten hatten sie nämlich festgestellt, dass sich unmittelbar an ihrem aktuellen Messobjekt ein Punkt der Renovationsmessung befinden müsste. Vorsichtig begannen sie zu graben und hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, als sie in 80 Zentimetern Tiefe auf die tönerne Scheibe stießen, die sich Rathmayerplatte nennt. Neben der Inschrift "Königliche Steuer Kataster Triangulierungs Comission 1853" ist sogar der Namenszug des Urhebers noch lesbar: "Andreas Thoma", Geometer unter Rathmayer.

Diese Platte ist nach Angaben des Vermessungsamtes Erding die einzige bisher gefundene im Amtsbezirk. Man könne davon ausgehen, dass zahlreiche Marken aufgrund von Baumaßnahmen oder durch die Landwirtschaft zerstört seien. Um der Öffentlichkeit einen Blick auf ein Stück bayerische Geschichte zu ermöglichen, stellt das Vermessungsamt Erding die gefundene Rathmayerplatte in einer Glasvitrine aus.

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