Star der Opernwelt und „emanzipierter“ Ehemann

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VON EVA STÖCKERL <P>Garmisch-Partenkirchen &#8211; Herbert von Karajan zählte ihn zu seinen Lieblingsdarstellern und war ihm aufrichtig zugetan. &#8222;Ein Herz und eine Seele&#8220; schrieb der große Dirigent auf ein Bild, das ihn mit dem Tenor Gerhard Stolze zeigt. Der Sänger wurde in Berlin und Wien, an der Metropolitan Opera in New York und am Covent Garden in London gefeiert. 1979 starb er mit nur 52 Jahren in Garmisch-Partenkirchen, das sein Altersruhesitz werden sollte. Am 1. Oktober wäre er 80 Jahre alt geworden. <P>Die Liebe hatte Stolze an den Fuß der Alpspitze gebracht. Die Liebe zu der Opernsängerin Gerda Prochaska, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Eltern im Loisachtal gelandet war. &#8222;Wir lernten uns in einer Inszenierung von ,Kleider machen Leute&#8216; an der Volksoper in Wien kennen&#8220;, erzählt die gebürtige Brünnerin, &#8222;da hat es gefunkt.&#8220; Stolze, zu der Zeit längst schon ein &#8222;Star&#8220; in der Opernwelt, mochte seine Frau so gerne, dass er bei der Trauung im hiesigen Standesamt sogar ihren Namen annahm. Der Standesbeamte war erstaunt, seinerzeit - so einen &#8222;emanzipierten&#8220; Bräutigam hatte er noch nie erlebt. <P>1945 debütierte Stolze in seiner Heimatstadt Dresden. Schon 1951 holte das neue Bayreuth den 25-Jährigen als David für die &#8222;Meistersinger&#8220;. Seine internationale Sängerkarriere begann. Er wurde Mitglied der Berliner Staatsoper, dann ständiger Gast in Stuttgart. 1961 engagierte ihn die Wiener Staatsoper und ernannte ihn zum Kammersänger. Ein Titel, den ihm auch die Bayerische Staatsoper verlieh. In München, da sang er den Loge und Mime in Richard Wagners &#8222;Ring der Nibelungen&#8220;, Aegisth und Jacquino. Der Herodes in der Oper &#8222;Salome&#8220; von Richard Strauss war seine Paraderolle. Neben den Klassikern nahm er auch zeitgenössische Rollen in sein Repertoire auf. Wie die eindrucksvolle Darstellung des &#8222;Blödsinnigen&#8220; in Mussorgskys &#8222;Boris Godunow&#8220;. In dieser Rolle stand er am 18. Februar 1979 drei Wochen vor seinem Tod zum letzten Mal auf der Bühne des Nationaltheaters. Gerhard Stolze gehörte zu den profiliertesten Charakterdarstellern des Musiktheaters, arbeitete mit Regisseuren und Künstlern wie Wieland Wagner, Herbert von Karajan, Karl Böhm, Leonhard Bernstein, und Carlos Kleiber zusammen. <P>Um ganz für ihren Mann da zu sein, beendete Gerda Prochaska ihr Engagement an der Volksoper in Wien, gab ihre künstlerische Laufbahn ganz auf. Allein als Carmen hatte sie 70 Mal auf der Bühne gestanden. 1975 kaufte sich das Sänger-Ehepaar im Markt ein Haus, genoss die kostbare Freizeit in der Natur und beim Radeln. Als ein Hirnschlag Stolze aus dem Leben riss, war seine Frau erst 45 Jahre alt. Die Musik ließ sie nicht los. Gerda Prochaska gründete eine Konzert-Agentur. Und gibt heute noch Gesangsstunden. <P>

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