Staunen in der Galerie

- Bernried - Wer sehen kann, der sehe. Und staune. Die neue Ausstellung in der Galerie Marschall vermittelt einen Einblick in das reichhaltige Schaffen von Louis Robert Lippl, Jahrgang 1908. Der sich seit seiner Emeretierung als TU-Professor verstärkt der Malerei und Bildhauerei widmende, in Fischen lebende Künstler überlässt in seinen gegenständlichen Bildern jeweils der Farbe oder der Figur die Priorität.

Es ist zunächst eine blaue und eine rote Schaffensphase zu erkennen. Das liegende Paar mit dem Titel "Schwebende" (2005) mag in der Komposition an einige Motive von Marc Chagall erinnern; hier jedoch dominiert die Aussage der liegenden Figuren vor dem lichten und doch nicht agressiven Rot, das die gesamte Bildfläche ausfüllt.

Die "Harfenistin" (2005) ist nur schemenhaft zu erkennen und spielt auf für uns unsichtbaren Saiten. Ihr Körper und dessen Umgebung scheinen aus der Farbe herausmodelliert zu sein. Bei den "Artistinnen" und vor allem den blauen Pastellen kommt der schwarzen Konturlinie größere Bedeutung zu, wodurch Figur und Raum klar voneinander geschieden werden, ohne die betonte zweidimensionale Darstellung aufzuheben.

Unter den früher entstandenen Werken ragt das symbolträchtige Großformat mit der Abbildung des Malerkollegen Hans Schellinger (1985) hervor -hier spielt Lippl mit dem Bild-im-Bild-Effekt. Eine überaus geglückte Symbiose zwischen Sujet und Farbklang besteht bei dem Gemälde "Im Café": Die Zeitung lesende Dame in Schwarz sitzt mit hellblauen Accessoires vor meergrüner Wand. Vor und Zurück, Distanz und Transparenz wechseln sich harmonisch ab.

Von 1956 bis 1974 hatte Louis Robert Lippl eine Professur für Grundlehre des Gestaltens am Lehrstuhl für Architektur der Technischen Universität München inne. Bereits 1947 trat er, der 1933 sein Architektendiplom ablegte, als Bildhauer hervor und nahm erfolgreich an Wettbewerben teil, war etwa erster Preisträger bei der Ausschreibung "Kunst am Bau" des Deutschen Patentamtes. Die erste wichtige Ausstellung von Bildhauerarbeiten und Lithographien fand 1969 in der Galerie Gurlitt in München statt.

Während des Studiums hatte ihn Prof. Karl Knappe zum Negativschneiden von Medaillen und Münzen angeregt, Lippl entwarf unter anderem die Gedenkplatte zur Wiedereröffnung des 1944 zerbombten Nationaltheaters in München.

K Karin Höh-Knüppel

K Zu sehen bis 10. Dezember (Mi-Fr 15- 18 h, Sa/So 11- 18 h).

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