WER STECKT DAHINTER?

- VON RALF HEUSSINGER München/Bamberg - Er kam zu seinem Job wie die Jungfrau zum Kind. Im Jahr 1990 hat die Deutsche Lebens-Rettungssgesellschaft (DLRG) ein Kuratorium eingerichtet, das Lobbyarbeit betreiben sollte. "Ein Bänker macht sich darin immer gut", erzählt Dieter Hoffmann. Und so landete der Bamberger Sparkassendirektor plötzlich auf einem nicht zu verachtenden Posten bei der größten Wasserrettungs-Organisation der Welt. Obwohl Hoffmann jahrelang nur passives Mitglied der DLRG war. "Ich bin ein typischer Quereinsteiger."<BR>

Sechzehn Jahre später zieht Hoffmann, geboren 1939, die Fäden im Landesverband, ist Präsident des Vereins, inzwischen zum zweiten Mal gewählt. Besonders ein Problem beschäftigt ihn derzeit: Die DLRG soll in Zukunft ohne Sportförderung auskommen, einige hunderttausend Euro an Übungsleiterzuwendungen dürfte dem Verein entgehen. Hoffmann befürchtet nicht nur, dass die Motivation seiner Übungsleiter sinkt, auch Schwimmkurse für Kinder dürften leiden. "Ohnehin können nur 66 Prozent der Jugendlichen schwimmen."<P>Geschlagen geben will sich Hoffmann aber nicht. Ob ihm dabei sein guter Draht ins Innenministerium hilft? Minister Günther Beckstein jedenfalls kennt er von Kindesbeinen an. "Wir waren Sandkastenfreunde." Gemeinsam im mittelfränkischen Hersbruck aufgewachsen, steht auch heute noch der Kontakt. "Er ist der Günther, und ich bin der Dieter."<P>Dass er über Umwege auf seinen Chef-Posten bei der DLRG gelangt ist, hat ihm offenbar nicht geschadet. Zwar habe ihm am Anfang schon "das Wurzelgeflecht" gefehlt. Heute kräht danach aber kein Hahn mehr. Auch richtig im Einsatz mit der DLRG war Hoffmann eigentlich nie. Seit 1978 ist der Vater zweier Kinder zwar Mitglied, aber eher "weil ich dachte, das ist ein Verein, den kann man unterstützen". Mittlerweile kann er aber zumindest als Präsident auf einige spektakuläre Aufgaben seiner Organisation zurückblicken. Denn die DLRG holt nicht nur Ertrinkende aus Badeseen. Sondern stand auch bei allen großen Unwetterkatastrophen der vergangenen Jahre bereit. Die Helfer schleppten Sandsäcke beim Hochwasser im August 2005 und schaufelten Schnee in Niederbayern. "Wir können mit allen Aggregaten des Wassers umgehen. Ob Eis, Wasser oder Schnee, wir sind gefordert", erklärt Hoffmann. Auch der Tsunami im Indischen Ozean gehörte dazu.<P>Nicht nur im Verein, auch ganz privat ist das Wasser Hoffmanns Refugium. Er ist passionierter Sportbootfahrer und schippert im Sommer gerne auf dem alten Main bei Bamberg umher. "Das ist eine wunderschöne Landschaft, das weiß fast keiner."<P>UTITEL=Dieter Hoffmann ist seit 2002 Präsident des DLRG-Landesverbands. Zurzeit kämpft er gegen die Streichung der Sportförderung.<P>

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