Stoiber empört: Junge Union fordert Traublingers Landtagssitz

- Markus Blume will in Ramersdorf kandidieren - Streit in der CSU

Nach dem Streit zwischen dem früheren Oberbürgermeister-Kandidaten Aribert Wolf und dem Münchner Stadtrat Georg Eisenreich um eine Landtagskandidatur stellt jetzt ein zweites prekäres Duell die Münchner CSU auf eine Belastungsprobe. Markus Blume von der Jungen Union (JU) fordert im Stimmkreis Ramersdorf den Handwerkskammerpräsidenten Heinrich Traublinger heraus. Die CSU-Spitze in der Staatskanzlei ist empört: Ausgerechnet dem Parade-Vertreter des umworbenen Mittelstandes bläst auf einmal Wind aus der eigenen Partei entgegen.

Es ist ein Duell mit Vorgeschichte. Bereits im vergangenen Jahr sah sich Traublinger ausgerechnet in seinem Ortsverein Perlach dem putschenden Unionsnachwuchs ausgeliefert, der ihn nach 24 Jahren als Ortsvorsitzenden abwählte. Nachfolger wurde JU-Kreischef Matthias Pawlik. Dessen Stellvertreter, der 27-jährige Markus Blume, fordert jetzt Traublinger, der seit 1986 für die CSU im bayerischen Landtag sitzt, zum Duell.

"Für die CSU ist das ein Schlag ins Gesicht", heißt es hinter vorgehaltener Hand aus der Partei. Offiziell hat der Münchner Parteichef Johannes Singhammer die Mitglieder zu eisernem Schweigen über alle Landtagskandidaturen verdonnert. Mittlerweile beschäftigt der Fall bereits die Parteispitze. Staatskanzleichef Erwin Huber und Ministerpräsident Edmund Stoiber sollen die Angelegenheit schon zur gemeinsamen Chefsache gemacht haben.

Traublinger selbst gibt sich zuversichtlich. "Ich habe viermal mit respektablem Ergebnis gewonnen. Jetzt will ich`s noch einmal wissen." Zur Kandidatur des JU-Mannes wolle er sich nicht äußern. Blume dagegen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Münchner CSU hat damit bereits ihren zweiten Skandal im Vorfeld des Landtagswahlkampfes. Im Streit um die Kandidatur im Stimmkreis Altstadt-Hadern war dem ehemaligen OB-Kandidaten Aribert Wolf vorgeworfen worden, er habe in den Ortsverband Hadern Parteimitglieder eingeschleust, um die Chancen für seine Nominierung zu verbessern. Der Vorfall, so hieß es bei der Münchner CSU, habe sich aber nicht mehr endgültig klären lassen.

Der Ausgang des Streitfalls Traublinger gegen Blume ist dagegen völlig offen. Anfang November soll der Termin für die Nominierung der Kandidaten des Stimmkreises Ramersdorf festgelegt werden. Die Entscheidung soll Anfang nächsten Jahres fallen. In der Partei wird bereits gemunkelt, dass die Kandidatur Blumes notfalls auch rückgängig gemacht werden könnte. Dies allerdings müsste Ministerpräsident Edmund Stoiber selbst in die Hand nehmen, hieß es.

Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer
Nationalmannschaft: Oliver Pochers Stadion-Hymne „Schwarz und Weiß“ ist nach zwölf Jahren nicht mehr das DFB-Lied. Im neuen National-Elf-Song geht es um die Liebe.
Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer

Kommentare