Tastmodell lässt Blinde Baukunst fühlen

- VON STEPHAN PENNING Altenstadt - Acht Monate, in denen er viel Zeit und Schweiß investierte, liegen hinter ihm, am gestrigen Dienstag präsentierte er sein Werk der (staunenden) Öffentlichkeit. Die Rede ist von Hobby-Modellbauer Horst Brenner aus Altenstadt, der mit Schloss Neuschwanstein sein inzwischen sechstes Tastmodell für blinde Menschen erschaffen hat. Zwei Gäste des Saulgruber Aura-Blindenhotels waren die Ersten, die das Modell testen durften und es hernach für gut befanden. <BR>

Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck, der die Gäste im "geschmückten" Sitzungssaal begrüßte, zeigte sich "sprachlos darüber, was hier entstanden ist". Für blinde Menschen werde dadurch die Möglichkeit geschaffen, Schloss Neuschwanstein zu besichtigen, "was unter normalen Umständen nicht möglich gewesen wäre".<P>Der Gemeindechef weiter: "Betrachtet man das Entstandene näher, sieht man, dass es nicht nur handwerklich eine große Leistung sondern auch deshalb eine ist, weil man sich im wahrsten Sinne des Wortes reinfühlen kann".<P>Das Beispiel Horst Brenner zeige zudem, welche Talente im Ort schlummerten. "Ich freue mich, dass wir das fertige Produkt jetzt hier in Altenstadt vorstellen können, auch wenn das Original verhältnismäßig weit weg im Ostallgäu steht."<P>Edi Schieder vom VdK ("Für mich ist heute ein großer Tag") erläuterte, dass er schon lange mit Blinden zusammenarbeite und "diese unendlich dankbar für solche Hilfen sind". Er sei sicher, dass die blinden Menschen "dieses Modell nicht nur ertasten, sondern auch an ihm kleben werden". Begonnen habe für ihn alles vor drei Jahren nach der Behinderten-WM in Altenstadt, als er sich mit Nachdruck für barrierefreien Tourismus eingesetzt habe. Dazu sei die Anregung von einer Dame gekommen, dass im österreichischen Graz bereits diverse Tastmodelle existierten. Schieder: "Wir werden mit dem neuen Modell sicher eine Menge unternehmen."<P>Lob von Schmid<P><P>Auch der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbands Pfaffenwinkel, Andreas Schmid, lobte das neue Objekt und sprach von einem "Höhepunkt bei den Tastmodellen". Es sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund wichtig, dass es in Deutschland nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch 155 000 Blinde und über 500 000 Sehbehinderte gebe, etwas für Barrierefreiheit zu tun. Man sei deshalb auch verstärkt an die Schulen gegangen, "weil Kinder Multiplikatoren sind". Und auch im neuen Gastgeberverzeichnis des Verbands werde einem barrierefreien Pfaffenwinkel genügend Platz eingeräumt. Am Montag, 20. Februar, soll das Modell bei der CBR-Messe in München beim bayerischen Tourismustag um 13.30 Uhr in Halle 4 auf der Showbühne gezeigt werden.<P>Der blinde Siegfried Meister aus Nürnberg hat es bereits gestern gesehen und sprach von einem "sehr gelungenen Modell, durch das ich eine gute Vorstellung erhalte, wie das Schloss in Natura aussieht". Seine Leidensgenossin Elisabeth Thies aus Hamburg war gar "begeistert von dem, was hier entstanden ist".<P>

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