TBC-kranke Prostituierte steckte mehr als ein Dutzend Freier an

- Rosenheim - Eine an Lungentuberkulose (TBC) erkrankte Prostituierte hat bei ihrer Arbeit allein in Rosenheim mehr als ein Dutzend Freier angesteckt. Die Gesundheitsbehörde beim Landratsamt Rosenheim geht von etwa 15 Fällen der Übertragung aus. Zwei Männer im Alter von 25 und 40 Jahren erkrankten nach Bordellbesuchen bei der 26 Jahre alten Prostituierten mit Künstlernamen "Sinem" an TBC.

Bei den anderen Freiern sei die Krankheit bisher nicht ausgebrochen, bestätigte Dr. Wulf-Dieter Stüwert vom Gesundheitsamt einen Bericht des "Münchner Merkur" (Donnerstagausgabe).<BR><BR>Die Krankheit der Prostituierten war im März bekannt geworden und hatte bundesweit Aufsehen erregt, weil die Frau in zahlreichen deutschen Städten "anschaffen" ging. Nach einem Aufruf des Rosenheimer Gesundheitsamtes hatten sich allein in der oberbayerischen Stadt an die 350 "Kontaktpersonen" gemeldet, so der offizielle Sprachgebrauch der Behörde. "Sinem" war bei einer Razzia im Rosenheimer Rotlichtmilieu festgenommen worden. Die Polizei hatte seit Dezember 2003 wegen einer ansteckenden Lungenerkrankung deutschlandweit nach ihr gefahndet. Damals war die 26-Jährige nach einer Untersuchung an der Kölner Universitätsklinik mit positivem TBC-Befund untergetaucht.<BR><BR> "Sinem" verdiente sich ihren Lebensunterhalt neben Rosenheim auch in Köln, Hamburg, München und Hof an der Saale durch Prostitution. Sie warb auf einer eigenen Homepage im Internet für ihre Dienste. Nach Bekanntwerden ihrer Krankheit vertraute sie dem Magazin "Focus" an, sie habe in vier Monaten 700 Freier gehabt. Stüwert schätzt die Zahl als zu hoch ein. In einer Spezialklinik im ostwestfälischen Bad Lippspringe kurierte "Sinem" ihre Krankheit mittlerweile aus. Sie wurde nur unter der Bedingung als geheilt entlassen, dass sie sich in den nächsten fünf Jahren regelmäßig auf TBC untersuchen lässt.<BR><BR> Daran hat Stüwert allerdings Zweifel. Denn als neuen Wohnsitz gab die Prostituierte Leverkusen an. Eine Anfrage beim Einwohnermeldeamt der rheinischen Stadt habe jedoch ergeben, dass sie dort bisher nicht mit neuem Wohnsitz eingeschrieben ist. Der Mediziner bedauerte am Donnerstag, dass die regelmäßigen verpflichtenden <BR>Gesundheitschecks von Prostituierten in Deutschland 2001 abgeschafft worden seien. Seien im Jahr 2000 noch 695 Prostituierte in Stadt und Landkreis Rosenheim zur Untersuchung erschienen, waren es im vergangenen Jahr noch ganze drei. <BR>

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