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Ein Tornado fegt über Babensham

Unwetter: - Schwere Gewitter haben in der Nacht zu Samstag in Oberbayern gewütet. Am schlimmsten traf es die kleine Gemeinde Babensham im Kreis Rosenheim: Ein Tornado deckte Dächer ab, unzählige Bäume knickten unter der Wucht des gewaltigen Wirbelsturms wie Streichhölzer um. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt ­ doch der Schock sitzt noch tief bei den Bürgern von Babensham. Das berichten Augenzeugen.

Babensham -­ Er sah die Wolken, er hörte das Donnern, er spürte den Wind. Und plötzlich hatte Peter Chris\-tandl diese Vorahnung. "Auf einmal war es total finster im Haus, absolut dunkel, für vier, fünf Minuten", erzählt er. Die Bilder von damals schießen ihm durch den Kopf: Es sind Bilder von zerstörten Häusern, Bilder von umgeknickten Bäumen. Es ist Freitagabend ­ und es ist wie damals, am jenem Julitag 1950, als ein Sturm über sein Dorf hinweggefegt war. "Das ist kein normales Gewitter. Kein normales Gewitter", sagt der 77-Jährige aus Babensham nach wenigen Sekunden. Kurz darauf tobt ein Tornado über dem 2991-Seelen-Ort im Kreis Rosenheim.

Schwere Dachplatten wirbeln durch die Luft, Mauern brechen zusammen, im Ortsteil Altbabensham stürzt die Giebelwand eines Stalles ein. Ein riesiger Balken fliegt über Christandls Haus hinweg: "Wie ein Pfeil kam der angeschossen", wird der Landwirt später sagen. Er wird erzählen, wie er vergeblich versuchte, die rückwärtige Tür seines Bauernhauses zu öffnen; "ich habe sie nicht aufgebracht, der Sog war einfach zu stark". Von seinem Wald, das ist ihm längst klar, steht kaum noch ein Baum. Die Buchen und Fichten ­ nur noch Brennholz.

Zur gleichen Zeit ist Rosalie Latein in ihrem Auto unterwegs. Die 54-Jährige will in Wasserburg ihre Tochter abholen. Ein Blick in den Rückspiegel, "und ich habe sofort gesehen, da braut sich etwas zusammen". Sie gibt Gas. Sie ist auf der Kraiburgerstraße, so nennen Einheimische die Verbindungsstraße zwischen Babensham und Wasserburg. Sie muss durch ein Waldstück fahren ­ ausgerechnet.

Es wird dunkler. Hinter sich hört Rosalie Latein die Äste knacken. Sie will schneller fahren, sie hat Angst, raus aus dem Wald, pocht es in ihrem Kopf.

Vergebens.

Ein Berg an umgeknickten Bäume versperrt ihr den Weg. Rosalie Latein setzt zurück. Panik. Raus aus dem Wald, pocht es immer lauter in ihrem Kopf.

Doch nur wenige Meter hinter ihr liegen auch schon Bäume auf der Straße. Rosalie Latein ist gefangen. "Ich habe um mein Leben gefürchtet", sagt sie. Sie steht unter Schock. Sie weiß nicht, was sie machen soll. Aus Verzweiflung steigt sie aus, läuft zu Fuß weiter. Raus aus dem Wald. Raus aus diesem Wald. Sie kommt raus.

Die Feuerwehr ist längst alarmiert. "Ich habe viel gesehen, aber das übertrifft alles", sagt Andreas Brunnlechner, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Babensham. Er leitet den Einsatz. "Auf Orkan Kyrill waren wir vorbereitet, aber dieses Unwetter hat uns eiskalt erwischt." Bis Mitternacht sind hunderte von Helfern im Einsatz, räumen die Straßen frei, sichern die zerstörten Gebäude. Die Schäden werden am Tag darauf auf mehr als 750\x0f000 Euro beziffert. Doch immerhin: keine Verletzten. Bürgermeister Josef Huber spricht bis heute von Schutzengeln.

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