Die "Toten Hosen" auf dem Gipfel

- Kult-Band begeistert bei ihrem Auswärtsspiel auf der Zugspitze

VON TANJA BRINKMANN Garmisch-Partenkirchen - Dort, wo sonst in elegantem Rahmen Vernissagen stattfinden, tummelte sich plötzlich ein ganz anderes Publikum: Junge und auch ältere Menschen in Springerstiefeln, Lederjacken, bunt bedruckten T-Shirts, Irokesen-Schnitten und verschiedensten Punk-Accessoires waren auf die Zugspitze gekommen, um die "Toten Hosen" bei ihrem Auswärtsspiel zu erleben.

Das Konzert stellte nicht nur für die Kunsthalle eine Premiere dar, sondern auch für die Kult-Band: "Wir waren noch nie hier", verriet Sänger Campino alias Andreas Frege. Von der irren Aussicht - "wir haben extra einen Spion hochgeschickt, der uns das bestätigt hat" - hätten sie allerdings schon viel gehört und sich deshalb auch zu dem Auftritt entschlossen. Dass ihnen das Wetter jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, hinderte die fünf Punk-Rocker nicht daran, auf Deutschlands höchstem Berg Vollgas zu geben. "Die Aktion an sich ist doch schon ein Lacher", meinte Campino, "etwas ganz Besonderes." Die Leute - "das hier ist so eine Art Familientreffen" - kämen auch ohne die traumhafte Aussicht auf ihre Kosten. Während Tivi Smith dem Publikum für die "Hosen" einheizte, bahnten sich Campino und Bassist Andi Meurer einen Weg durch die Menge, erfüllten Autogramm-Wünsche, ließen sich Seite an Seite mit den Fans fotografieren und stärkten sich mit Schnitzel plus Pommes.

Mit wachsamen Augen verfolgte Günter Karl, Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), das Geschehen in der Kunsthalle: "Ehrlich gesagt, bin ich kein Fan", gestand er, wollte sich aber "gerne überraschen lassen". Von der Resonanz auf das Konzert - "es war im Nu ausverkauft" - und dem enormen, organisatorischen Aufwand zeigte er sich bereits im Vorfeld beeindruckt. Die Technik und auch die Aussicht waren Christina Sauer hingegen vollkommen egal. Die Münchnerin bekam glänzende Augen, als Campino sein Hemd auszog: "So ein schöner Mann", seufzte sie. Die Muskeln und Tattoos des blonden Sängers ließen zwei Knirpse aus Berlin völlig kalt. Der zehnjährige Tobias und sein Bruder Fabian (12) bekannten, "totale Fans" zu sein. Die Buben waren eigens aus Inzell - "da machen wir gerade Ferien" - angereist, um ihre Idole mal wieder live erleben zu können. Auf Stühlen stehend wippten die Buben begeistert im Takt mit, während der harte Kern vor der Bühne unkontrolliert Pogo tanzte. "Das ist uns ein bisschen zu wild", erklärte Fabian. Mehr mochte er allerdings nicht mehr sagen, schließlich stimmten gerade sämtliche 350 Zuschauer zu Ehren von Schlagzeuger "Vom" (Stephen George Ritchie) "Happy Birthday" an.

"Er hat gesagt, wir gehen hier feiern, also sind wir auf die Zugspitze gefahren", verkündete Campino der tobenden Menge. "Und heute wollen wir`s Garmisch mal richtig zeigen." Diesen Vorsatz hielten die Düsseldorfer unbedingt: Zweieinhalb Stunden heizten sie ihren Anhängern, die übrigens beinahe aus ganz Deutschland angereist waren, mit Titeln wie "Ich hab` Abitur", "Daydreaming", "Du lebst nur einmal", "Steh auf, wenn Du am Boden bist" und ihrer speziellen Variante von "Azzurro" kräftig ein. "Ich merk` schon, Ihr seid extrem belastbar", lobte Campino vor den drei Zugaben. Die Kondition der Zuhörer versagte jedoch spätestens nach dem letzten Song. Sichtlich erschöpft marschierten sie gen Gipfel-Seilbahn, um dann am Platt erleichtert in der Zahnradbahn Platz zu nehmen. Trotz aller Müdigkeit waren sich aber alle einig: "Das Konzert war super."

Sehr zufrieden äußerte sich auch BZB-Vorstand Günter Karl über die Veranstaltung: "Man kann durchaus daran denken, so etwas noch einmal zu machen." Allerdings hänge ein weiterer Auftritt auch vom Finanziellen ab, betonte er. Die "Toten Hosen" seien zu sehr günstigen Konditionen gekommen, "weil sie unbedingt auf der Zugspitze spielen wollten." Eine Wiederholung - "mit einer renommierten Band könnte ich`s mir vorstellen" - sei Verhandlungssache.

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